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Moore

 
     
  Ökosysteme, in denen organische Substanz, vor allem im Wurzelbereich unter anaeroben Zersetzungsbedingungen schneller produziert als abgebaut wird. Natürliche Moore stellen eine Abteilung in der deutschen Bodenklassifikation dar. Die gleichnamige Klasse unterteilt sich in zwei Typen, Niedermoor und Hochmoor, die sich jeweils noch in verschiedene Subtypen untergliedern lassen (Abb. 1). Die Vegetation wachsender Moore bzw. ihr äusseres Erscheinungsbild führte landläufig zu unterschiedlichen Bezeichnungen wie Filz, Moos, Ried, Fenn, Luch oder Bruch. 1) Als Landschaftsbegriff bezeichnet Moor ein Gebiet, das von Moorböden bzw. Torfen und den sie unterlagernden meist organischen Sedimenten (Mudden) eingenommen wird, einschliesslich ihrer spezifischen Vegetation. 2) Geologisch gesehen sind Moore Bildungen der Erdoberfläche (i.d.R. quartäre, meist holozäne), die unter Mitwirkung von Pflanzen entstanden sind, und stets eine Massenanhäufung kohlenstoffreicher Zersetzungsprodukte der fast reinen Pflanzensubstanz darstellen. 3) Moore sind Böden aus Torfen, die mindestens 30 Massenprozent organische Substanz besitzen und mehr als 3 dm mächtig sind, einschliesslich zwischengelagerter mineralischer Schichten und Mudden. Die Moore stellen eine selbständige bodensystematische Abteilung dar, weil, wie bei keinem anderen Boden, mit ihrer Bildung zugleich das Ausgangsmaterial entsteht. Die Moorbildung ist daher sowohl ein geologischer- als auch ein bodengenetischer Vorgang. Böden mit H-Horizonten von weniger als 3 dm an der Oberfläche werden bei den Moorgleyen eingeordnet. Natürliche mineralische Überdeckungen von Moorböden mit weniger als 2 dm Mächtigkeit werden als Zusatz bezeichnet. Bei 2 bis 4 dm Mächtigkeit der Überdeckung werden die sich überlagernden bodensystematischen Einheiten angeführt z.B. Gley über Niedermoor. Sind die Überdeckungen mächtiger als 4 dm, erfolgt eine Zuordnung der betroffenen Böden zu den entsprechenden Mineralbodentypen. Moore nehmen auf der Erde ca. 1 % der gesamten Landfläche ein. Insbesondere in Nordeuropa, Westsibirien, Nordamerika und in den feuchten Tropen befinden sich, klimatisch bedingt, die grössten Moorvorkommen. In Finnland wird sogar ein Drittel der Landesfläche von Mooren eingenommen, in Deutschland 4,5 % der Gesamtfläche. Im maritim beeinflussten nordwestdeutschen Raum dominieren die lediglich vom relativ nährstoffarmen Regenwasser (ombrotroph) gespeisten Hochmoore, in den Talniederungen des relativ niederschlagsarmen Nordostdeutschlands hingegen hauptsächlich die vom oft mineralstoffreichen Grundwasser (minerotroph)ernährten Niedermoore. Hauptkriterium für die Einteilung der Moore ist der Ursprung des für die Moorbildung verantwortlichen Wassers. Demzufolge unterscheidet man zwischen Niedermooren (minerotroph, topogen), Hochmooren (ombrotroph, ombrogen) und den wegen ombrominerotropher Entstehungsbedingungen zwischen beiden erstgenannten Typen stehenden Übergangsmooren. Darüber findet eine ganze Reihe von Merkmalen für eine präzisere Charakterisierung Verwendung. Nach den hydrologischen Verhältnissen und dem damit in Verbindung stehenden Aufbau des Moorkörpers lassen sich sog. hydrologische Moortypen wie Verlandungsmoor, Versumpfungsmoor, Überflutungsmoor, Durchströmungsmoor, Quellmoor, Hangmoor, Kesselmoor und Regenmoor voneinander unterscheiden. Diese können teilweise in charakteristischen Vergesellschaftungen auftreten, oder im Laufe der Moorentwicklung können verschiedene hydrologische Moortypen infolge natürlicher Torfbildungsvorgänge oder anthropogener Einflüsse einander ablösen. Darüber hinaus erfolgt auch eine Einteilung in ökologische Moortypen. Hierbei werden Nährstoff- und Säure-Basen-Verhältnisse, die für die Moorvegetation von entscheidender Bedeutung sind, zur Klassifizierung verwendet. Für die Eingruppierung werden entweder das aktuelle Vegetationsbild oder die Ansprache der abgelagerten Torfarten bzw. die Resultate bodenchemischer Untersuchungen (Nährstoffe, pH-Wert) herangezogen. Zu den ökologischen Moortypen gehören beispielsweise die oligotroph-sauren Moore (Sauer-Armmoore), die mesotroph-sauren Moore (Sauer-Zwischenmoore), die mesotroph-subneutralen Moore (Basen-Zwischenmoore), die mesotroph-kalkhaltigen Moore (Kalkzwischenmoore) und die eutrophen Moore (Reichmoore). Aus der Kombination von ökologischen und hydrologischen Moortypen ergeben sich chorische Naturraumtypen, wie z.B. eutrophes Versumpfungsmoor (Abb. 2Abb. 3) oder oligotroph-saures Mittelgebirgs-Regenmoor. Eine weitere Möglichkeit zur Untergliederung stellt der Säurestatus dar. Stärker entwässerte, pedogen veränderte Moore werden bei pH-Werten unter 4,8 als Sauermoore und bei pH-Werten über 4,8 als Basenmoore bezeichnet. Der ökologische Status während der Moorwachstumsphase, der sich aus der Ansprache der abgelagerten Torfarten und bodenchemischen Befunde ableitet, wird dabei mit angegeben. Beispiele hierfür sind Basenmoor aus primär eutrophem Moor oder Sauermoor aus primär mesotroph-saurem Moor. Aufgrund höherer Nährstoffgehalte (Trophie) findet man auf den Niedermooren meist eine üppigere Vegetation als auf den mineralstoffärmeren Hochmooren. In den Verlandungsgürteln von Seen z.B. kommen als Niedermoorvegetation massenwüchsige Arten wie Schilf (Phragmites australis), Rohrkolben (Thypha latifolia), verschiedene Seggenarten (Carex sp.) oder Bruchwald mit Erlen (Alnus sp.) und Birken (Betula sp.) vor. Häufig sind breite Talauen und -mulden(Urstromtäler) von Niedermooren bedeckt, da sie Zuflussgebiete mit ständigem Wasserüberschuss sind. Die Vegetation der Hochmoore ist relativ artenarm und eher spärlich. Hauptsächlich kommen Torfmoose (Spagnum sp.) vor, aber auch Zwergsträucher (Heidekraut, Calluna vulgaris oder Erica tetralix), Wollgräser (Eriopherum sp.), Moosbeere (Oxicoccus palustris), schmalblättrige Seggenarten (Carex sp.) und Sonnentau (Drosera sp.) zu finden. Zum überwiegenden Teil waren die Moore im mitteleuropäischen Raum gehölzfeindliche Standorte. Bruchwälder kamen auf den nur phasenhaft überstauten Standorten vor, bzw. nach klimabedingten Trockenphasen, teilweise auch wenn Moore aus ihrem Grundwasserbereich herauswuchsen oder in jüngerer Zeit nach Entwässerungen. Die ersten Moore des mitteleuropäischen Spätglazials begannen vor etwa 13.000 Jahren aufzuwachsen, zunächst durch Sedimentation von Mudden und später mit der einsetzenden Klimaverbesserung durch die Torfakkumulation. Es handelte sich hierbei um Niedermoorbildungen. Das Wachstum von Hochmoortorfen setzte erst einige tausend Jahre später ein, frühestens im Atlantikum. Aus den unterschiedlich alten Torfschichten der Moore lässt sich die Vegetationsentwicklung der letzten Jahrtausende ableiten. Die Pflanzenreste bzw. Sporen und Pollen sind hier ausgezeichnet konserviert worden. Mit Hilfe von Radiokarbondatierungen ist es möglich, den Vegetationswandel mit zeitlichem Bezug zu rekonstruieren und so Rückschlüsse auf die Klimaentwicklung zu ziehen. Erdgeschichtlich betrachtet fanden die ersten Moorbildungen im Devon, vor etwa 400 bis 320 Mio. Jahren statt. Aus dem Unterdevon ist das schottische zu Hornstein verkieselte Psilophytenmoor bekannt. Alle heutigen Kohlelagerstätten sind aus ehemaligen Mooren entstanden. Auf der Bäreninsel bei Spitzbergen existiert vermutlich das älteste zu Steinkohle umgewandelte Moor. Es stammt aus dem Oberdevon. Grossräumige Moorentwicklungen erfolgten zu dieser Zeit vorwiegend in binnenländischen Becken (limnische Fazies) und in den Regionen der Meeresküsten (paralische Fazies). Zu einer räumlichen Verlagerung der Moor- bzw. der sich anschliessenden Kohlebildung nach Norden kam es mit der Wanderung der Faltung im Ruhr-Karbon. Die Mächtigkeit resultierender Steinkohleflöze liegt meist unter 6 m. In Senkungsgebieten kommen jedoch mitunter gewaltige Schichtfolgen vor (z.B. im Ruhrbecken, 3000 m mit 70 abbauwürdigen Flözen). Erdgeschichtlich zumeist wesentlich jünger sind die gleichfalls aus Mooren entstandenen Braunkohleflöze von 100 m Mächtigkeit wie z.B. aus dem Rheinland (Miözän) und dem Geiseltal (Eozän). Die Inkohlung erfolgt von der Vertorfung bis zum Stadium der Braunkohle vorwiegend in Form biochemischer Vorgänge. Daran schliesst sich ein geochemischer Prozess an (Diagenese), der massgeblich von grosser Wärme und hohem Druck gekennzeichnet ist. Hierbei kommt es zu einer weiteren Erhöhung des Kohlenstoffgehaltes als Folge des Verlustes an Wasser und flüchtigen organischen Verbindungen. Die Torfschicht schrumpft bis zum Stadium der Braunkohle auf ein Drittel und bis zum Stadium der Steinkohle auf ein Siebentel ihrer ursprünglichen Mächtigkeit. Verschiedene Indizien sprechen dafür, dass fossile und rezente Moore wegen ihrer grossen Bedeutung für die globalen Kreisläufe der Treibhausgase Kohlendioxid, Lachgas und Methan die zukünftige Entwicklung des Klimas wesentlich mitbestimmen könnten. So stellen natürliche Moore aufgrund der anaeroben Bodenverhältnisse eine der wichtigsten Methanquellen dar (ca. 17% des globalen Methanaufkommens). Darüber hinaus sind allein in den rezenten Mooren ca. ein Drittel der terrestrischen Kohlenstoff- und Stickstoffvorräte akkumuliert. Die zunehmende Verbrennung der Kohlevorräte für die Energiegewinnung und die weltweit fortschreitende Entwässerung der Moore - in Südasien und Europa sind davon bereits mehr als 50% der Moorstandorte betroffen - trägt aber bereits jetzt massgeblich zum anthropogen bedingten Anstieg des Kohlendioxid- und Lachgasgehaltes in der Atmosphäre bei. Dieser Trend könnte sich zukünftig infolge eines beschleunigten Austrocknens der Moore bei der sich andeutenden globalen Erwärmung noch weiter verstärken. Literatur: [1] GÖTTLICH, K. (1990): Moor- und Torfkunde. - Stuttgart. [2] OVERBECK, F. (1975): Botanisch-geologische Moorkunde. - Neumünster.

MooreMoore 1: Moortypen und ihre Bildungsbedingungen. HW = Hochwassergrenze, NW = Niedrigwassergrenze, a = Kalkmudde oder Seekreide, b = Feindetritusmudde, c = Grobdetritusmudde, d = Schilftorf, e = Seggentorf, f = Bruchwaldtorf, g = älterer Bleichmoostorf (stark zersetzt), h = jüngerer Bleichmoostorf (schwach zersetzt).

MooreMoore 2 : eutrophe Verlandungsmoore mit Erlenbruchwald (Havelländisches Luch).
 
 

 

 

 
 
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