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potentiell natürliche Vegetation

 
     
  PNV, vom deutschen Pflanzensoziologen Tüxen 1957 entwickeltes Konzept, das den hypothetischen Zustand der Vegetation nach plötzlichem Aufhören des menschlichen Einflusses darstellt. Dabei wird eine Konstanz der klimatischen Bedingungen angenommen. Demzufolge hat jede erdgeschichtliche Epoche ihre eigene PNV. Hintergrund des PNV-Konzeptes ist der Umstand, dass in Mitteleuropa heute die reale Vegetation als überwiegend anthropogene Ersatzgesellschaften nur noch auf begrenzten Flächen den ursprünglichen natürlichen Pflanzengesellschaften entspricht. Die PNV steht dagegen in optimalem Einklang mit den derzeitigen Bedingungen eines Standorts und dem vorhandenen Inventar an Arten. Durch diesen Gleichgewichtszustand mit den Geofaktoren stellt die PNV das biotische Wuchspotential (Potential) dar und ist damit ein umfassender Indikator für das Leistungsvermögen des Landschaftshaushalts. Da gleiche Vegetationseinheiten auch gleiche abiotische Faktorenkonstellationen repräsentieren, muss zumindest kleinmassstäblich eine weitgehende Identität zwischen der PNV und der Naturräumlichen Gliederung bestehen. In der Bundesrepublik Deutschland wurde daher unter Leitung der Bundesforschungsanstalt für Naturschutz und Landschaftsökologie (Bad Godesberg) zwischen 1968 und 1992 die PNV von mehr als 30% der Landesfläche im Massstab von 1:200.000 kartiert. Diese Karten der PNV geben überwiegend flächendeckend Waldgesellschaften wieder. Praktisch umgesetzt werden diese Informationen für den Aufbau eines Vegetationsbestandes aus möglichst standortgerechten Arten, beispielsweise bei Renaturierungen. Die im Konzept der PNV vorgenommene Gewichtung des derzeitigen Standortpotentials hat andererseits auch immer wieder zu grundsätzlichen Diskussionen Anlass gegeben (Abb.).

potentiell natürliche Vegetationpotentiell natürliche Vegetation: Vegetationsgebiete der potentiell natürlichen Vegetation Deutschlands; 1=Küstenvegetation, 2=Auenvegetation, 3=Moore und Bruchwälder, 4=Buchen- und Eichenmischwälder des Tieflandes, 5=subkontinentale Eichen- und Kiefernwälder, 6=subkontinentale Eichen-Hainbuchenwälder der kollinen Stufe, 7=Hainsimsen-Buchenmischwälder, 8=kolline bis montane reiche Buchenwälder, 9=Tannen- und Buchenwälder der Mittelgebirge und des Alpenvorlandes, 10=Tannen-Buchenwälder und Fichtenwälder der Kalkalpen, 11=Buchenwälder des Alpenvorlandes.
 
 

 

 

 
 
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