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Justus Perthes

 
     
  Verlagsbuchhandlung und kartographischer Betrieb. In der 1785 gegründeten Buchhandlung verlegte Johann Georg Justus Perthes (*11.9.1749 Rudolstadt, †2.5.1816 Gotha) nach 1786 den 1763 gegründeten "Gothaischen Hof-Kalender" (letzte Ausgabe 1944 als "Gothaisches Jahrbuch") sowie Titel zur Pädagogik, Geschichte und Geographie und seit 1809 den "Handatlas über alle bekannte Laender des Erdbodens" von H.G. Heusinger (1767-1837). Dessen Unvollkommenheit regte Adolf Stieler an, J. Perthes im Jahr 1815 ein Atlasprojekt vorzuschlagen, das dann als "Hand-Atlas über alle Theile der Erde ..." von 1817 bis 1823 unter dem Nachfolger Wilhelm Perthes (1793-1853) wissenschaftlich erarbeitet und mit 47 Kartenblättern 1823 publiziert wurde. Der Hand-Atlas wurde später auf 75 Blätter erweitert (1831) und bis 1944 fortgeführt (Stielers Handatlas). Fortan bestimmten Kartenwerke und Atlanten das Verlagsprofil, insbesondere Stielers "Karte von Deutschland in XXV Blättern" (1. Ausgabe 1832-36, letzte 1885?), Schulatlanten (1821 bis 1844 200.000 Exemplare), K. von Spruners (1803-1892) "Geschichtlicher Handatlas" (seit 1837), Heinrich Berghaus "Physikalischer Atlas" (1. Ausgabe 1837), Taschenatlanten (seit 1845) sowie Schulwandkarten, die ab 1838 in lithographischer Technik mehrfarbig publiziert wurden. Seit 1847 erschienen die Schulatlanten nach Emil von Sydows Entwürfen. Das Unternehmen, immer noch ein reiner Verlag ohne technisches Personal, richtete 1842 unter Bernhardt Perthes (1821-1857) eine "Galvanische Anstalt" (Galvanoplastik) zur Herstellung von Kupferdruckplatten ein, der im folgenden Jahrzehnt zu einem kartographischen Betrieb mit Kartographen, Kupferstechern, Kupferdruckerei (1863 angekauft), Buchbinderei und Buchdruckerei ausgebaut wurde. Justus Perthes′ Geographische Anstalt wird dadurch zum führenden deutschen kartographischen Verlag. Als wissenschaftlicher Leiter wurde 1854 August Petermann (1822-1878) berufen, der den typisch gothaischen Kartenstil inhaltlich, graphisch und technisch zur Vollendung führte und 1855 die bis heute bestehende Fachzeitschrift "Mittheilungen ... über wichtige neue Erfahrungen der Geographie" (später "Petermanns Geographische Mitteilungen") begründete. Führende Erzeugnisse dieser Zeit sind: Heinrich Bachs "Geognostische Übersichtskarte von Deutschland ..." (1:1.000.000, 9 Blätter Kupferstich, zehnfarbiger Steindruck, 1855), die Neubearbeitung von "Stielers Handatlas" (4. Ausgabe 1862-64, 84 Blätter), Hermann Berghaus "Chart of the World" (8 Blätter, 1. 1863, 11. 1886,


24. 1924), Carl Vogel (1828-1897) "Karte des Deutschen Reiches 1:500.000" (27 Blätter, 1893 vollendet), darauf fussend von Richard Lepsius' (1851-1915) "Geologische Karte von Deutschland" 1:500.000 (27 Blätter 1894-97) sowie seit 1866 das "Geographische Jahrbuch". Aus Rezensionsexemplaren und Ankauf entstand eine gehaltvolle Fachbibliothek die 1914 bereits 80.000 Bände umfasste und eine Kartensammlung aus 200.000 Blättern. In dem seit 1881 von Bernhard Perthes (1858-1919) geleiteten Betrieb trat 1897 Hermann Haack (1872-1966) als wissenschaftlicher Leiter ein, der nach und nach alle kartographischen Verlagserzeugnisse erneuerte und modernisierte, bei stagnierendem Umsatz und schrumpfenden Gewinn. Trotz Verlusten stand das Unternehmen Inflation und Wirtschaftskrise durch. Nach dem zweiten Weltkrieg nahm Hermann Haack im Familienunternehmen, das 1949 in VEB Geographisch-Kartographische Anstalt Gotha umfirmiert wurde, seine Tätigkeit wieder auf. 1953 übersiedelte Joachim Perthes (1889-1954) nach Darmstadt, wo er die "Justus Perthes Geographische Verlagsanstalt" gründete, weitergeführt von Wolf Jürgen Perthes († 1964) und seit 1980 von Stephan Perthes. Bis 1985 entstanden 150 neue Schulwandkarten und 180 Transparentkarten. In Gotha erlebte der 1955 in "VEB Hermann Haack Geographisch-Kartographische Anstalt Gotha" umbenannte Betrieb den nach Mitarbeiterzahl und Umsatz höchsten Stand seines 200jährigen Bestehens. Verlegt wurden Schulwandkarten und Atlanten, darunter der 1965-69 neu geschaffene "Haack Grosser Weltatlas". 1992 erfolgte die Rückgabe des Betriebes an Stephan Perthes, der ihn ebenfalls 1992 an den Ernst Klett Schulbuchverlag GmbH verkaufte. Weiterhin werden im "Justus Perthes Verlag Gotha GmbH" wissenschaftliche geographische und kartographische Erzeugnisse hergestellt. Der Klett-Perthes Verlag Gotha setzt das von Stuttgart nach Gotha verlagerte Lehrmittelprogramm (z.B. Alexander Weltatlas, Schulbücher) fort.
 
 

 

 

 
 
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