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Handatlas

 
     
  ein dem Umfang nach herausragender, bedeutender Weltatlas, der bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts fast ausschliesslich aus jeweils einem Typ geographischer bzw. chorographischer Karten besteht. Der Handatlas vermittelt damit auf kleinmassstäbigen Karten weltweit das topographische Wissen seiner Zeit. Er stellt von wenigen Ausnahmen abgesehen das Heimatland und die umliegenden Staaten ausführlicher und in grösseren Massstäben vor als entfernter liegende Gebiete. Während das Heimatland oft im Massstab um 1:1 Mill. im Typ einer chorographischen Übersichtskarte, benachbarte Staaten in 1:2,5 oder 1:3 Mill. im Typ geographischer Länderkarten vorgestellt werden, erscheinen die überseeischen Gebiete meist nur in Massstäben zwischen 1:6 und 1:15 Mill., also im Massstabsbreich von Grossraumkarten. Auch die Weltmeere werden meist nur auf kleinmassstäbigen Übersichtskarten geboten. Dieses Massstabsgefälle hatte und hat bedeutende Auswirkungen auf die sich in breiten Bevölkerungsschichten herausbildenden Vorstellungen des Erdbildes. Von den in Atlanten nur stark verallgemeinert abgebildeten Gebieten entsteht bei den Nutzern eine unzutreffend vergröberte Vorstellung von den realen geographischen Bedingungen. Einige Handatlanten enthalten Serien thematischer Karten, meist als Erd-, teilweise auch als Erdteilkarten. Relativ häufig werden auf Nebenkarten oder auf besonderen Kartenblättern ausgewählte Weltstädte und manchmal auch Regionen von besonderer Bedeutung in wesentlich grösseren Massstäben dargestellt. Im Unterschied zu den mittleren Weltatlanten wird bei Handatlanten zumeist auf einen statistischen Teil sowie auf einen Text- und Bildteil verzichtet, jedoch existiert meist ein Register, und zu einigen wurden ausführliche geographische Beschreibungen verfasst. Die historischen Handatlanten des 16. bis 18. Jahrhunderts bestehen ausschliesslich aus einfarbigen Kupferstichkarten mit manuell angelegtem farbigem Grenzkolorit und einer Reliefdarstellung in Maulwurfshügelmanier. In den klassischen Handatlanten des 19. Jahrhunderts beruhen die meisten Karten bereits auf Ableitungen aus topographischen Übersichtskarten. Sie erhielten ihr Gepräge durch die Gebirgsschraffendarstellung (Schraffen); an die Stelle der Aufrisssignaturen für Siedlungen trat der einfache Ortsring, grössengestuft nach Einwohnergrössenklassen eingesetzt. Die Stelle der einfarbigen Kupferstichkarte nahm seit den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts die mehrfarbige Steindruckkarte mit braunem Relief und blauem Gewässernetz. Farbige Höhenschichten (Höhenschichtenkarten) wurden erst nach dem zweiten Weltkrieg zum vorherrschenden Darstellungsprinzip moderner Handatlanten. Erst in jüngster Zeit wurde die Eintönigkeit der älteren Atlanten durch Aufnahme thematischer Karten und anderer Darstellungsformen (z.B. Satellitenbildern) sowie graphische Übersichten überwunden. Seit 1990 werden einige Handatlanten auch in digitaler Version (elektronischer Atlas) angeboten. Andrees Handatlas, Stielers Handatlas.


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