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Höhenstufen

 
     
  in der Landschaftsökologie Bezeichnung für die vertikale Gliederung der Landschaft infolge der Abnahme der Temperatur mit der Höhe (vertikaler Temperaturgradient). Dieser Gradient modifiziert die landschaftsökologischen Prozesse des Wasserhaushaltes, der Bodenbildung oder des ökophysiologischen Geschehens in der Vegetationsdecke derart, dass sich spezielle Lebensräume herausbilden, die als Höhenstufen bezeichnet werden. Weil durch zunehmende Höhe auch weitere Klimafaktoren (Niederschlag, Strahlung) beeinflusst werden, sind die Höhenstufen nicht einfach eine Wiederholung der Zonen in der Ebene (hypsometrischer Formenwandel). Die Hochgebirge der Erde zeigen zwar untereinander eine ähnliche Ausprägungen der Höhenstufen, trotzdem sollten aber immer nur Hochgebirge gleicher geographischer Breite miteinander verglichen werden. Insbesondere muss zwischen aussertropischen und tropischen Hochgebirgen unterschieden werden, da die Differenzierung von den Polen zum Äquator hin zunimmt. Die natürliche Vegetationszusammensetzung der Höhenstufen kann von den Eingriffen des wirtschaftenden Menschen stark überprägt sein. Durch Rodungen kommt es beispielsweise zu einer Absenkung der physiologisch bedingten Waldgrenze, in deren Folge sich Wasserhaushalt und Bodenstruktur verändern, was zu einer Aktivierung von Naturgefahren führen kann. Die für die Alpen entwickelte Terminologie zur Charakterisierung der Höhenstufen findet mittlerweile in allen Hochgebirgen der gemässigten Zone Verwendung. Diese Gliederung beginnt mit der Ebenen- und Hügellandstufe (planare bzw. kolline Stufe). Sie umfasst die untersten Hangpartien und die Vorhügelzone und ist vegetationskundlich und von ihrer ökologischen Ausprägung gleichzusetzen mit dem Gebirgsvorland, das nördlich der Alpen bis 600 m NN, am Alpensüdfuss bis 800 m NN reicht. Die Hügelstufe ist wichtiges Landwirtschaftsgebiet, dank der oft günstigen Strahlungsbedingungen werden auch wärmeliebende Sonderkulturen wie Obst oder Reben angebaut. Der kollinen Stufe schliesst sich die montane Stufe (Bergstufe) an, welche durch die Bergwälder charakterisiert ist und sich in eine untere Stufe (submontane Stufe) mit Laubmischwäldern und eine hochmontane Stufe mit Nadelwäldern unterscheiden lässt. Sie reicht von 600 bis 1700 m NN. Vorherrschende Baumarten sind Buchen und Weisstannen, welche aber im Zuge der Forstwirtschaft oft durch Fichten ersetzt wurden. Oberhalb der Waldgrenze, welche in den Zentralalpen einen auffallenden Anstieg aufweist ("Massenerhebungseffekt"), folgt die subalpine Stufe, gekennzeichnet durch Krummholz- und Zwergstrauchgürtel. Sie bildet den Übergang zur Hochgebirgsregion (alpine Stufe), welche durch Matten und Rasengesellschaften charakterisiert ist. In dieser, in den Zentralalpen bis 3200 m NN reichenden Stufe ist noch Weidewirtschaft (Alpwirtschaft) als spezielle landwirtschaftliche Nutzungsform möglich. Die alpine Stufe geht schliesslich über die subnivale Stufe in die nivale Stufe über, in der ganzjährig Schnee- und Eisbedeckung Pflanzenwuchs verhindern (Abb. 1). Die tropischen Gebirge unterscheiden sich in ihrer vertikalen Gliederung deutlich von den Gebirgen der Aussertropen. Vor allem die hygrischen und thermischen Ausprägungen lassen in den Tropen fünf Höhenstufen der Vegetation unterscheiden (Abb. 2): Tropischer Regenwald, Tropischer Bergwald, Nebelwald, Paramo und Puna. Ursprünglich von den Anden abgeleitet, wird diese Terminologie heute für die meisten tropischen Gebirge benutzt. Die unterste Stufe, die "tierra caliente", bildet zusammen mit der darauf folgenden Stufe, der "tierra templada", die absolut frostfreien Warmtropen. Über den Warmtropen kommen keine wärmeliebenden und frostempflindlichen Pflanzen mehr vor. Die daran angrenzende Zone, die sog. "tierra fria", ist durch aperiodische Fröste gekennzeichnet und enthält verschiedene arktische Vegetationselemente. An die Waldgrenze schliesst sich die "tierra helada" an, die Jahresmitteltemperaturen von 7-2°C aufweist, worauf schliesslich oberhalb der Schneegrenze die vegetationsfreie "tierra nevada" folgt.




HöhenstufenHöhenstufen 1: Landschaftsökologische Höhenstufen der Alpen. Vegetationsprofil von Nord nach Süd.

HöhenstufenHöhenstufen 2: Vergleich der Höhenstufen in tropischen Hochgebirgen (1 = Pioniervegetation, 2 = Paramo, 3 = Höhen- und Nebelwald, 4 = Bergwald, 5 = Regenwald) und aussertropischen Hochgebirgen (1 = Pioniere, 2 = Matten, 3 = Krummholz/Zwergsträucher, 4 = Gebirgswald, 5 = sommergrüner Wald).
 
 

 

 

 
 
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