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orogene Phase

 
     
  Faltungsphase, nach Stille verlaufen Orogenzyklen (Faltungsären) wie die drei phanerozoischen Zyklen der kaledonischen, variszischen und alpidischen Ära phasenhaft (Abb.). Längere anorogene Zeiten werden durch kurzfristige Faltungsphasen unterbrochen, die weltweit gleichzeitig auftreten, wenn auch örtlich in stark schwankender Intensität und nicht zwingend überall wirksam (orogenetisches Gleichzeitigkeitsgesetz). Wichtigstes Kriterium zur Erkennung sind Winkeldiskordanzen. Dies führte zu einer Ausscheidung zahlreicher, jeweils nach Typusregionen benannter Phasen. Diese Phasenhaftigkeit ist heute nicht mehr als gültig zu betrachten. Nach dem Paradigma der Plattentektonik laufen Gebirgsbildungen an aktiven Kontinentalrändern als kontinuierlicher Prozess ab. Die beobachteten orogenen Phasen im Sinn von Stille sind damit nur als Zwischenstadien anzusehen, in denen innerhalb eines gewissen Orogensegments (=Plattenrandsegment) Deformationen (Faltungen, Überschiebungen) erstmals beobachtbar werden (z.B. nach einer Inselbogenkollision, Kollision einer Mikroplatte oder nach der Kollision von Plattenrandsegmenten grösserer Lithosphärenplatten). Aufeinanderfolgende »orogene Phasen« in einem Gebiet können dann auf sukzessive Kollisionen von Inselbögen und/oder Mikroplatten zurückgeführt werden. Entsprechend der Komplexität der Bewegung und der Konfiguration von Lithosphärenplatten sind lateral verschieden alte »orogene Phasen« zu erwarten. Orogenzyklen sind also im Raum diachron. Sie enden erst mit der vollständigen Kontinent-Kontinent-Kollision zweier grosser Lithosphärenplatten (z.B. von Laurussia und Gondwana im variskischen Orogenzyklus), weil aufgrund des gleichen spezifischen Gewichts der Kontinentalplatten und isostatischer Aufwärtsbewegungen der verdickten Kruste eine weitere Subduktion verhindert wird.


In intrakratonalen Bruchschollengebirgen lassen sich kleinere, nur lokal/regional nachgewiesene »Phasen« auf Schollenrotationen, zum Teil auch auf Halokinese (z. B. im Subherzynen Becken) zurückführen. Weitspannige Verbiegungen können durch Manteldiapirismus und folgende Aufdomung entstehen. Andere »Phasen« können Fernwirkungen von Plattenranddeformationen sein. Dabei werden auftretende kompressive Spannungen entlang intrakrustaler Scherflächen über mehrere hundert Kilometer weitergeleitet. Entsprechende Beispiele sind aus dem intrakratonalen Tektogen des Mittleren und Hohen Atlas Marokkos bekannt.

orogene Phaseorogene Phasen: orogene Phasen im Sinne Stilles im Phanerozoikum.
 
 

 

 

 
 
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Weitere Begriffe : inkongruente Auflösung Grosskreis Chloritschiefer

 

 
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