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Stromatolith

 
     
  eine feinlaminierte organosedimentäre Struktur, die durch sedimentfangende und sedimentbindene Prozesse und Kalkfällung infolge mikrobieller Lebensaktivitäten entsteht. Beteiligt sind vor allem mikrobielle Matten bildende coccoidale und filamentöse Cyanobakterien-Assoziationen (photosynthetische Prokaryoten); weitere mikrobielle Organismen können beteiligt sein. Die Feinschichtung der Stromatolithen entsteht in Tag-Nacht-Rhythmen, wobei sich tagsüber infolge photosynthetischer Aktivität aus vertikal wachsenden Cyanobakterien-Filamenten mikrobielle Matten bilden, die während der Nacht überwiegend von Sedimentpartikeln überzogen werden. Sie werden am folgenden Tag erneut von den Filamenten durchwachsen. Die für die Bildung verantwortlichen Mikroben sind fossil selbst nicht erhalten und nur indirekt durch ihre Lebenstätigkeit nachgewiesen. Stromatolithen zählen zu den ältesten nachgewiesenen Lebensformen und sind seit dem frühen Archaikum, etwa seit 3,6 Mrd. Jahren, bekannt. Sie sind wesentlich für die photosynthetische Produktion von freiem Sauerstoff in der anoxischen Uratmosphäre verantwortlich und die häufigsten und auffälligsten biogenen Strukturen im gesamten Präkambrium, wo sie kilometerweit ausgedehnte biostromale Strukturen im Subtidal, Intertidal und Supratidal bildeten (Abb. 1).


Die Evolution der Mikrobenassoziationen brachte eine Vielzahl spezieller, biostratigraphisch auch zur interkontinentalen Parallelisierung nutzbarer und als Formgenera beschriebener Wuchsformen hervor (Abb. 2). Die Wuchsformen (säulig, domförmig, mattenförmig) sind auch von ökologischen Faktoren (Wasserenergie, Strömung, Durchlichtung, Grad der subaerischen Exposition) abhängig. Cyanobakterien-Onkoide können als spezielle, auf Weichböden entwickelte, sphärische Stromatolithen betrachtet werden. Mit dem Auftreten zahlreicher Invertebraten an der Basis des Kambriums ging die Verbreitung von Stromatolithen stark zurück. Seit dem Ordovizium sind sie vor allem aus randmarinen, sehr flach subtidalen bis supratidalen, hyperhalinen Environments bekannt (rezent z.B. in der westaustralischen Shark Bay), wenngleich ihre Bedeutung in phanerozoischen Riffen bisher generell unterschätzt wird. Der Rückzug in solche Extrem-Habitate wird vor allem mit dem Fehlen von abweidenden Organismen (im wesentlichen Gastropoden) erklärt, die weder die hohe Salinität, noch langfristige subaerische Exposition unter heissen Klimabedingungen überstehen; fehlende Bioturbation erhöht zudem das Erhaltungspotential. Stromatolithen sind auch in der photischen Zone lakustriner Ablagerungsräume bekannt. Ihr Beziehungen zu den marinen Formen ist unbekannt.

StromatolithStromatolith 1: Stromatolithenhorizont des jüngsten Proterozoikums (Anti-Atlas, Südmarokko).

StromatolithStromatolith 2: ökologisch gesteuerte Wuchsformen von Stromatolithen nach den Rezentvorkommen der Shark Bay (Westaustralien).
 
 

 

 

 
 
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