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Stauanlage

 
     
  Absperrbauwerk zur Anhebung des Wasserspiegels eines natürlichen Gewässers verbunden mit dem Rückhalt und der Speicherung von Wasser. Als Wehre werden Stauanlagen bezeichnet, die im wesentlichen nur den Flusslauf, nicht aber das gesamte Tal absperren. Je nach dem Zweck wird die Wehranlage ergänzt durch Schleusen für die Schiffahrt, Wasserkraftanlagen oder Ableitungsbauwerke z.B. für die Bewässerung. Talsperren sperren hingegen über den eigentlichen Flusslauf hinaus den gesamten Talquerschnitt ab. Sie haben die Aufgabe, Wasser z.B. für die Wasserversorgung oder die Erzeugung von elektrischer Energie (Wasserkraftanlage) zu speichern. Zu den Stauanlagen gehören nach DIN 4048, Teil 1 je nach ihrem Zweck auch Hochwasserrückhaltebecken, Geschiebesperren und Pumpspeicherbecken (Pumpspeicherwerk), deren Ausführungsform je nach den örtlichen Gegebenheiten zwischen Wehr und Talsperre liegen kann.


Unabhängig von Zweck und Ausführungsform werden an Stauanlagen folgende Forderungen gestellt: a) ausreichende Standfestigkeit, um den Wasserdruck aufnehmen zu können, b) ausreichende Dichtigkeit, um Wasserverluste zu vermeiden, c) schadlose Abführung extremer Hochwasserabflüsse auch bei bereits gefülltem Speicher ( Hochwasserentlastung), d) Aufnahme der erforderlichen Betriebseinrichtungen, z.B. zur kontrollierten und sicheren Wasserabgabe.


Die Entwurfsgrössen, zu deren Ermittlung meist umfangreiche und langjährige Untersuchungen erforderlich sind, werden bestimmt durch: a) die hydrologischen Verhältnisse (z.B. Niederschlag, grösste und kleinste Abflüsse bestimmter Häufigkeit und Dauer, Temperatur und Eisbildung, ggf. auch Verdunstung und Windverhältnisse); vom Feststofftransport (Schwebstoff, Geschiebe) hängt u.U. die Lebensdauer der Anlage entscheidend ab; b) geologische Verhältnisse (Dichtigkeit und Standfestigkeit von Untergrund und Talflanken), Eignung und Verfügbarkeit von Baumaterialien; c) weiter wird die Gestaltung der Anlage beeinflusst durch landesplanerische und infrastrukturelle Vorgaben sowie rechtliche Aspekte (bestehende Wasser- und Eigentumsrechte).


Der Einfluss einer Stauanlage auf die Umwelt ist in nahezu allen Fällen sehr erheblich, da der ursprünglich freie Gewässerlauf hierdurch unterbrochen wird. So wird eine Stauanlage ohne geeignete Fischaufstiege zum unüberwindlichen Hindernis für Wanderfische. Weiter wird dadurch die Fliessgeschwindigkeit stark vermindert, die bei Talsperren mit grösseren Speicherbecken praktisch auf Null zurückgehen kann, Fliessgewässerbiozönosen werden durch Stillwasserbiozönosen verdrängt. Unterhalb der Stauanlage wird der Abfluss gleichmässiger, was bis zu einem völligen Verlust der Durchflussdynamik gehen kann. Grössere Wasserflächen, die oberhalb der Wehranlage oder Talsperre entstehen, können mindestens das Kleinklima beeinflussen. Teil des Planungs- und Genehmigungsverfahrens ist daher regelmässig auch die Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung und die Erarbeitung eines Landschaftspflegerischen Begleitplanes.
 
 

 

 

 
 
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