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Seekartographie

 
     
  hat die Herstellung und Fortführung von Seekarten als wissenschaftliches und nautisches Instrument zum Inhalt. Den Navigationsaufgaben zufolge beruhen Seekarten auf der winkeltreuen Mercator-Projektion (Zylinderentwürfe), da bei dieser jede Schiffs-Kurslinie (Loxodrome) als Gerade abgebildet wird. Der Karteninhalt, der durch die sogenannte Seevermessung gewonnen wird, umfasst Fahrwasser, Gefahrenstellen (Riffe, Sandbänke, Wracks etc.), Seezeichen (Leuchttürme, Barken) sowie Tiefenangaben (als Tiefenlinien und Tiefenpunkte), die sich auf Seekartennull (SKN) beziehen, das gegenüber dem Bezugshorizont für Landkarten in der Regel etwas tiefer liegt. Seekarten zählen zu den ältesten Verkehrskarten. Die sog. Stabkarten der Mikronesier werden als erste Spezial-Seekarten angesehen. Als Vorläufer der heutigen Seekartenwerke gelten der Pepilus des Altertums und die Portulane (Portolankarten) des Mittelalters, die als erste Seehandbücher neben Segelanweisungen auch Profilansichten der von Schiffen angefahrenen Küsten enthielten. Mit Beginn des 18. Jahrhunderts etablierten sich die ersten staatlichen Hydrologischen Ämter und somit der Beginn einer amtlichen Seekartographie (behördliche Kartographie). In Deutschland liegt heute die Zuständigkeit für Seekarten beim Deutschen Hydrographischen Institut (DHI), das mit ausländischen hydrographischen Diensten zusammenarbeitet. Das Bundesamt für Seeschiffahrt und Hydrographie (BSH) ist als hydrographischer Dienst Deutschlands verantwortlich für die Herausgabe amtlicher Seekarten und nautischer Veröffentlichungen. Es unterhält ein Seekartenwerk, das derzeit rund 900 Seekarten der wichtigsten Fahrtgebiete der deutschen Seeschiffahrt umfasst. Aus Sicherheitsgründen werden Seekarten laufend fortgeführt (Fortführung). Die wöchentlich erscheinenden Nachrichten für Seefahrer (NfS) gewährleisten der Schifführung an Bord die Aktualität der Seekarten bis zur Herausgabe eines neuen Drucks. Das Seekartenwerk, die Seebücher und das NfS bilden das umfassende nautische Informationssystem für die Seeschiffahrt. Die International Hydrographic Organisation (IHO) hat durch das internationale Schiffahrtsübereinkommen SOLAS das nautische Informationssystem als Pflichtausrüstung für die Seeschiffahrt sowie die einheitliche Zeichengebung der Seekarten festgelegt. International werden Seekarten nach ihrem Nutzungsbereich und den dadurch bedingten Massstab in folgende Massstabsbereiche eingeteilt: a) Ozeankarten (1:5.000.000 und kleiner), b) Übersichtkarten (1:5.000.000-1:600.000) dienen zur Wahl der Fahrtroute und zum Absetzen von Kurs und Distanz auf langen Strecken, c) Segelkarten (1:600.000-1:300.000) dienen zur Schiffsführung auf hoher See, d) Küstenkarten (1:300.000-1:30.000) dienen zur Ansteuerung des Landes und zur Küstenfahrt, zum Einlaufen in schwierige Fahrwasser, Buchten und Häfen sowie zum Aufsuchen von Ankerplätzen, und e) Pläne (1:30.000-1:5000), die wie Küstenkarten eingesetzt werden, aber detailliertere Abbildungen von Häfen, Buchten oder engen Fahrwasserstrecken sind. Die wesentliche Entwicklung seit Beginn der 1990er Jahre ist die Elekronische Seekarte (Electronic Chart Display and Information System, ECDIS), die von der International Maritime Organization (IMO) als rechtliches Äquivalent zu dem nach SOLAS vorgeschriebenen traditionellen nautischen Informationssystem für die Seenavigation zugelassen wurde. ECDIS ist ein digitales nautisches Informationssystem, das u.a. die Seekarteninhalte, die aktuelle Schiffposition sowie das Radarbild auf einem Bildschirm darstellt. Da ECDIS von der Konzeption her als Äquivalent zur herkömmlichen Seekarte gilt, schliesst in Deutschland der gesetzliche Auftrag, amtliche Seekarten herzustellen, auch die Herstellung von ECDIS ein. Dies gilt ebenso für die Schaffung einer Schnittstelle für den internationalen Datenaustausch. Grundlage für die Datenherstellung und den -austausch ist der von der IHO beschlossene sog. Transfer Standard for Exchange of Digital Hydrographic Data. Für ein umfassendes digitales nautisches Informationssystem werden die nautischen Veröffentlichungen zwar zunehmend digital bereitgestellt, dieses Datenmaterial ist aber nur bedingt für den Einsatz mit ECDIS geeignet. Das BSH hat daher ein Konzept entwickelt, das die Herstellung von Seekarten und Seebüchern (einschliesslich Bereitstellung der ECDIS-Daten) durch das integrierte System »Nautisch-Hydrographisches Informationssystem« (NAUTHIS) ermöglicht.


Das Konzept NAUTHIS beinhaltet folgende Ziele: a) Die wesentlichen Datenquellen für Seebücher und Seekarten sollen redundanzfrei zusammengebracht werden. b) Unter Berücksichtigung der Datensicherheit soll die Laufendhaltung des Datenbestandes ohne Doppelbearbeitung unterstützt werden. c) Die Herstellung und redaktionelle Bearbeitung (Kartenredaktion) von Seekarten, Sportschiffahrtskarten, Leuchtfeuerverzeichnissen und weiterer Seebücher muss ermöglicht werden. d) Internationale Standards der Nautik und Hydrographie der Organisationen IHO und IMO sollen ebenso berücksichtigt werden wie IT-Standards (beispielsweise X-Open und SQL).
 
 

 

 

 
 
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