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Weichsel-Kaltzeit

 
     
  von K. Keilhack 1909 geprägter Begriff für die letzte quartäre Eiszeit; auf das Eem-Interglazial folgend, in Süddeutschland auch Würm-Kaltzeit und auf den Britischen Inseln Devensian genannt; Beginn vor 115.000 Jahre, Ende vor 10.000 Jahre, aufgrund der grönländischen Eisbohrkerne bei 11.500 Jahre.


Die Weichsel-Kaltzeit wird wie folgt untergliedert (Quartär Tab. 2): Das Unterweichsel (OIS 5d-a), auch Frühglazial genannt, ist durch zwei Wärmeschwankungen (Interstadiale) Brörup (OIS 5c) und Odderade (OIS 5a) unterteilt, die eine Klimaverbesserung, die eine Waldvegetation ermöglichte, dokumentieren. In Norddeutschland handelt es sich um Birken-Kiefern-Wälder. Am Südrand der Vogesen sind anspruchsvollere Gehölze, unter anderen hohe Anteile an Buchen festzustellen. Ein früherer Eisvorstoss im Unterweichsel wird kontrovers diskutiert. Im Periglazialgebiet im Rheinland ist Lössanwehung in OIS 5d nachgewiesen. Das Mittelweichsel (OIS 3 und 4) ist durch fünf Interstadiale untergliedert, wovon die Interstadiale Oerel und Glinde eine Strauchtundra aufwiesen, während die jüngeren Interstadiale eine offenere Vegetation hervorbrachten. Grössere Vereisungen sind in Mitteleuropa nicht bekannt. Das Oberweichsel (OIS 2) ist zweigeteilt in das ältere Hochglazial und das jüngere Spätglazial. Das Hochglazial zwischen 23.000 und 14.000 Jahre ist die Zeit der grossen Eisvorstösse der Weichsel-Kaltzeit. Man unterscheidet ein Brandenburger-Stadium, Frankfurter-Stadium und Pommersches Stadium. Die weiteste Verbreitung des Eises erreichte das Brandenburger-Stadium (Abb.) Das Frankfurter-Stadium wird heute als Rückzugsstaffel des Brandenburger Vorstosses interpretiert. Die Schmelzwässer des Inlandeises schufen die Urstromtäler. Ab der Havelmündung stand das untere Elbetal zur Verfügung. Weiter östlich lassen sich vier Hauptentwässerungsbahnen unterscheiden. Das älteste ist das Glogau-Barather-Urstromtal, es folgt das Warschau-Berliner-Urstromtal. Zur Pommerschen Haupteisrandlage gehört das Thorn-Berlinerund das spätere Thorn-Eberswalder Urstromtal.


Durch die weltweite Akkumulation von Eis auf den Kontinenten wurde der Meeresspiegel um 140 m abgesenkt, was zum Trockenfallen der Nordsee führte. Der Periglazialraum ist durch Permafrost, Lössanwehung und fluviatile Aktivität gekennzeichnet. Das Spätglazial ist durch die bewaldeten Interstadiale Bölling und Alleröd gegliedert. In der Jüngeren Dryas herrschte noch einmal Permafrost in Mitteleuropa. Die Weichsel-Kaltzeit ist die Zeit des Mittelpaläolithikum und Jungpaläolithikums (Steinzeit).

Weichsel-KaltzeitWeichsel-Kaltzeit: Eisverbreitung während der Weichsel-Kaltzeit.
 
 

 

 

 
 
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