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Sander

 
     
  [von isländ. sandur], fluvioglaziale schwemmfächerähnliche Aufschüttung vor dem Eisrand des Inlandeises (Eisschild) oder eines Gletschers. Die unter dem Eis (subglazial) oft unter hydrostatischem Druck fliessenden Schmelzwasserbäche lagern ihre Fracht nach dem Austritt aus dem Gletschertor in Schwemmkegeln ab, deren Spitze höher liegen kann als die Gletschersohle. Weiter entfernt vom Eisrand geht der Sander in einen flachgeneigten Schwemmfächer über. Ein Sander kann aus Sanden, Schottern (Kies) und Geschieben bestehen. Grundsätzlich findet eine Materialsortierung statt, bei der die Grobfraktionen in der Nähe des Eisrandes abgelagert werden und die kleineren Korngrössen bis zum Rand des Schwemmfächers gelangen. Wegen stark schwankender tages- und jahreszeitlicher Wasserführung können aber auch Schichten sehr unterschiedlicher Korngrösse dicht beieinander und übereinander liegen. Der Sander wird während der Bildungszeit von fluvioglazialen Gerinnen überflossen, die sich später konzentrieren und einschneiden (Trompetentälchen). Trockengefallene Bereiche unterliegen der äolischen Prozessdynamik mit Deflation und Bildung von Dünen. Sander sind Bestandteile der glazialen Serie, über die Schmelzwasser von der Endmoräne in das Urstromtal gelangt. Sie sind flächenhaft verbreitet vor den ehemaligen Eisrandlagen der Nordischen Vereisung im Norden Mitteleuropas und bilden hier heute den Landschaftstyp Geest mit sandigen, zumeist nährstoffarmen Podsolböden. Im Alpenvorland sind die Sander der Vorlandvergletscherung des Pleistozäns als Schotterflächen ausgebildet, da der Transportweg unter dem Eis nicht lang genug war, um kleinere Korngrössen entstehen zu lassen. Sander, BrunoHermann Max, österreichischer Geologe und Mineraloge, * 23.2.1884 Innsbruck, † 5.9.1979 Insbruck; Studium der Naturwissenschaften in Innsbruck, Promotion 1907; Assistent an der Technischen Universität Wien und an der Universität Innsbruck, Habilitation 1912; 1913-1922 Mitarbeiter an der k.u.k. Geologischen Reichsanstalt bzw. der Geologischen Bundesanstalt in Wien; 1922-1955 Professor der Mineralogie und Petrographie an der Universität Innsbruck. Sander war Begründer der Forschungsrichtung »Gefügekunde«. Seine bahnbrechenden Arbeiten auf diesem Gebiete bildeten die Grundlage für die moderne Strukturgeologie und die Rheologie geologischer Körper, auch für die moderne Felsmechanik, die ein wichtiger Teil der Ingenieurgeologie geworden ist. Werke (Auswahl): »Gefügekunde der Gesteine mit besonderer Berücksichtigung der Tektonik« (1930), »Beiträge zur Kenntnis der Anlagerungsgefüge« (1936), »Einführung in die Gefügekunde geologischer Körper« (2 Bände, 1948 und 1950) sowie weitere 115 Publikationen.  
 

 

 

 
 
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