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Amphibolgruppe

 
     
  [von griech. amphibolos=zweideutig], Amphibole, Hornblenden, der Name Hornblende erscheint in der Mineralogie in der zweiten Hälfte des 18. Jh. als Bezeichnung für eine Mineralgruppe, die vom Bergmann kaum beachtet wurde und deren Analyse und Abgrenzung damals grosse Schwierigkeiten bereitete. Da das Aussehen halbmetallisch sein kann und der Eisengehalt nicht verwertbar ist, trifft der Name Blende im Sinne der Bergmannssprache zu. Horn hat man auf die Farbe, nicht auf die Härte bezogen. Hornblende ist im engeren Sinn ein Silicatmineral der Amphibolgruppe. Die Amphibole sind strukturell, geometrisch und nach Art des Vorkommens mit den Pyroxenen nah verwandt, chemisch jedoch ungleich komplexer. Die Zusammensetzung kann durch die allgemeine Formel: A0-1X2Y5[(OH, F)/Z4O11]2 ausgedrückt werden (mit A=Na, K; X=Ca, Na, K,


Mn, Fe2+, Mg; Y=Mg, Fe2+, Fe3+, Al, Mn, Ti4+; Z=Si, Al). Dabei ist der Ersatz von Al durch Fe3+ und zwischen Ti4+ und den anderen Ionen der Y-Position begrenzt.


Amphibole gehören zu den wichtigsten gesteinsbildenden Mineralien. Sie sind charakteristisch für magmatische Gesteine, für kristalline Schiefer wie auch für Kontaktbildungen. Selten finden sie sich als Kluft- und Drusenminerale pneumatolitischer oder hydrothermaler Entstehung. Für die Bildung im Bereich der Hochdruckmetamorphose wird die Anwesenheit von Wasser, z.T. auch von Fluor, vorausgesetzt. Die Amphibole gehören zu der Gruppe der Inosilicate mit eindimensional unendlichen Tetraederdoppelketten, wobei zwei einfache Ketten von SiO4-Tetraedern seitlich miteinander über einen Brückensauerstoff verbunden sind. Damit hat jedes 2. Tetraeder ein weiteres O-Ion mit einem Tetraeder der Nachbarkette gemeinsam. So besitzt die Doppelkette die Zusammensetzung [Si4O11]6-als strukturelle Grundeinheit. Diese Doppelkette enthält freie Hohlräume, in die (OH)-und F--Ionen eintreten können. Diese Anionen sind nicht an Si-Ionen gebunden, stellen sog. Anionen zweiter Stellung dar und sind darum ein wesentliches genetisches Kennzeichen der Amphibole. Aufgrund dessen erklärt sich die geringere Dichte (2,85-3,5 g/m3) und die niedrigere Lichtbrechung (1,62-1,73) der Amphibole gegenüber den verwandten Pyroxenen.


Die Kristalle können in ihrer Ausbildung prismatisch, stengelig bis nadelförmig, langstrahlig oder faserig-verfilzt sein. Im letzteren Fall werden sie dann als Asbest, Amiant oder Bergleder bezeichnet. Die Spaltbarkeit ist nach {110} vollkommen (Bildung von pseudohexagonalen durchhaltenden glänzenden Spaltflächen), der Spaltwinkel beträgt 124º. Die prismatische Spaltbarkeit bricht in beiden Fällen die schwachen Bindungskräfte zwischen den Kationen und den Doppelketten auf, niemals jedoch die relativ starken Si-O-Bindungen innerhalb einer Kette. Je nach Symmetrieklasse unterscheidet man Klinoamphibole mit monokliner Struktur, rhombische Orthoamphibole und die seltenen triklinen Amphibole (Abb.). Bei den rhombischen Amphibolen sind in der Struktur alle Kationenplätze [6]-koordiniert, während bei den monoklinen Amphibolen das Verhältnis der [6]:[8]-koordinierten Gitterplätze 5:2 ist. In Industrie und Technik werden faserige Amphibole (Asbest) wegen ihrer Biegsamkeit, Säure- und Hitzebeständigkeit zur Herstellung von feuer- und säurefester Gewebe oder gepresst mit Bindemitteln zur Herstellung von Dachplatten, Böden, Rohren und anderen Industrieprodukten eingesetzt.

AmphibolgruppeAmphibolgruppe: Übersicht zur Amphibolgruppe.
 
 

 

 

 
 
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