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Troll

 
     
  Carl, deutscher Landschaftsökologe und Biogeograph, * 21.12.1899 in Gabersee (Oberbayern), † 21.7.1975 in Bonn; Studium in München mit Promotion in Botanik, Professuren in Berlin (1929) und Bonn (1938-1966). Die Umgebung seiner Jugendzeit mit den Moränen des Alpenvorlandes (Moränenlandschaft) und den Mäandern des Inntals weckten sein Interesse für Gebirgslandschaften und die Vielfalt natürlicher Lebensräume als Wechselspiel von ökologischen Faktoren. Die vergleichende dreidimensionale Geographie der Hochgebirge der Erde aus ökologischer Sicht zog sich entsprechend als roter Faden durch seine Forschungs- und Lehrtätigkeit. Mit der Auswertung der Aufnahmen von ausgedehnten Expeditionen und Forschungsreisen zwischen 1926 und 1937 in die Gebirgsregionen dreier Kontinente (Südamerika, Ostafrika, Himalaja) prägte Troll 1939 die Landschaftsökologie als neue Forschungsdisziplin und Kombination der damaligen Landschaftskunde mit der Ökologie. Wichtige Arbeitstechniken waren dabei die terrestrische Photogrammetrie und die Luftbildinterpretation. Damit verfeinerte er die Methoden der Analyse und kartographischen Darstellung von Landschaftstypen als kleinräumige Mosaike innerhalb einheitlicher Grosslandschaften. Als kleinste Raumeinheit definierte er das Ökotop in Erweiterung des Biotops durch Einbezug geowissenschaftlicher (”abiotischer«) Einflüsse (Boden, Klima etc.). Troll sah eine Landschaft im Sinne des holistischen Ansatzes als etwas natürliches Ganzes; ein Ganzes, das mehr ist als die Summe eines Teils und das deshalb mittels eines einheitlichen Ansatzes erfasst werden sollte. In dieses Gesamt-Wirkungsgefüge eingeschlossen war auch der Mensch als Landschaftsgestalter. Solche Gedanken wurden von vielen Anderen für praktische Arbeiten der Landeignungsklassifikation oder der Bestimmung des Naturraumpotentials übernommen. Neben den Arbeiten am landschaftsökologischen Gesamtkonzept leistete Troll auch wichtige Beiträge zu Einzelsachverhalten, beispielsweise dem Vergleich von konvergenten Lebensformen bei alt- und neuweltlichen Pflanzen (Konvergenz), zur Klimaklassifikation auf der Basis von jahreszeitlichen und tageszeitlichen Rhythmen oder zu Froststrukturböden und Denudationsvorgängen in der subnivalen Stufe. Abgerundet wurde dies durch sozioökonomische Studien, u.a. zur Stellung der Indianerhochkulturen im Landschaftsaufbau der tropischen Anden. Neben den wissenschaftlichen Leistung trat Troll auch in Erscheinung beim Wiederaufbau des Geographischen Instituts, als Gründer der Zeitschrift ”Erdkunde« sowie als Dekan und Rektor an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, ebenso als Kommunalpolitiker. Weltweit wirkte er als Präsident der International Geographischen Union (IGU) von 1960-64. Werke (Auswahl): "Die geographische Landschaft und ihre Erforschung" (1950), "Landschaftsökologie als geographisch-synoptische Naturbetrachtung" (1966), "Landschaftsökologie (Geoecology) und Biogeocoenologie" (1970).  
 

 

 

 
 
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