Lexikon Geologie Geografie Geowissenschaften  
Suche :        
   A   B   C   D   E   F   G   H   I   J   K   L   M   N   O   P   Q   R   S   T   U   V   W   X   Y   Z   #   

 

 
 

Ediacara-Fauna

 
     
  eine präkambrische Fauna aus dem Pound Quarzit in Südaustralien, die makroskopische Fossilien von Weichtieren enthält (Abb.). Die Typlokalität der Ediacara-Fauna liegt in den Flinders Ranges in der Nähe von Adelaide in Südaustralien, jedoch werden ähnliche Faunen aus dem späten Präkambrium (Vendium) an verschiedenen Lokalitäten rund um die Erde gefunden. Sie werden unter dem Begriff "Vendische Biota" (Vendobionta) zusammengefasst. Die Ediacara-Fauna setzt sich zusammen aus Abdrücken von Tieren, die den Cnidaria, Würmern und Arthropoda zugeordnet werden, andere gehören zu heute vermutlich ausgestorbenen Gruppen. Charakteristisch sind auch undifferenzierte rundliche Abdrücke, die jedoch bislang nicht interpretiert werden konnten. Neben den Abdrücken von Weichtierfossilien sind auch Spurenfossilien häufig. Die Sedimente, in denen die vendischen Weichtiere fossilisiert wurden, sind Schiefer, Siltsteine, Carbonate und Quarzite, die in flachmarinen Bereichen abgelagert wurden. Hierin besteht ein fundamentaler Unterschied zu den phanerozoischen Fossilien, wo die Konservierung von Weichtierfaunen in solch grobklastischen Sedimenten nicht vorkommt. Die Gründe für diese Diskrepanz im Fossilisationspotential sind nicht bekannt. Es wird vermutet, dass die Abwesenheit von Räubern, Aas-und Sedimentfressern die massenhafte Erhaltung der Weichtiere ermöglichte und/oder dass durch hohe Wasserenergie die Tiere häufig von Sand verschüttet wurden oder dass Bakterienfilme die Erhaltung der oft dreidimensionalen Strukturen ermöglichten. In ihrer Gesamtheit ermöglicht die Ediacara-Fauna einen Blick in die frühe Entwicklung der Metazoen. Sie besteht zu 70% aus Abdrücken von Tieren, die wahrscheinlich zu den frühesten Cnidariern gehörten. Ein charakteristischer Vertreter ist Cyclomedusa, dessen Grösse zwischen wenigen Millimetern bis zu einem Meter Durchmesser variiert. Vermutlich handelte es sich um einen bodenlebenden Polypen, ähnlich den heutigen Seeanemonen. Es ist eines der häufigsten Faunenelemente der Ediacara-Fauna. Auch Eoporpita, ein Fossil mit rundem Zentralkörper, umsäumt von dicken Tentakeln, wird als benthischer Polyp interpretiert und zu den Hydrozoen gestellt. Die bis zu einem Meter lange, seefederähnliche Charnia war vermutlich ein koloniebildender Cnidarier, und auch Dickinsonia, die der Koralle Fungia ähnelt, wird zu dieser Gruppe gestellt. Spriggina, ein bis 3 cm langes Weichtier, hatte einen halbmondförmigen Kopf, gefolgt von einem segmentierten Körper. Vielleicht handelte es sich um einen Vorläufer der Anneliden oder der Arthropoden. Das Fossil Arkarua wird als früher Vorläufer der Echinodermen angesehen, wie auch (zumindest von einigen Autoren) Tribrachidium, das eine triseriale Symmetrie besitzt. Vendische Weichtier-Faunen wurden bislang auf allen Kontinenten ausser Südamerika und der Antarktis gefunden. Die ersten dieser Fossilien wurden bereits 1908 in Namibia entdeckt. Weitere wichtige Fossilarchive mit vendischen Biota befinden sich auf der Avalon Peninsula im Südosten Neufundlands, an der Winterküste des Weissen Meeres im Nordwesten Russlands, im Nordwesten Kanadas und in Nordyakutien in Sibirien.

Ediacara-FaunaEdiacara-Fauna: einige charakteristische Faunenelemente der Ediacara-Fauna. Die Abbildungen im Vordergrund zeigen die Morphologie der Fossilien, im Hintergrund ist die vermutete Lebensweise skizziert.
 
 

 

 

 
 
Ein Bookmark auf diese Seite setzen:
 
 

 

 

 
 
<< vorheriger Begriff
 
nächster Begriff >>
Edelsteine
 
Editierung
 
     

Weitere Begriffe : Ständerpilze Steilwinkelreflexion Ratiobildung

 

 
Startseite GeoDZ
Copyright © 2010 GeoDZ.com. All rights reserved.  Nutzungsbedingungen  |  Datenschutzbestimmungen  |  Impressum