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Platinseifen

 
     
  in Seifen, vor allem in Flussseifen, angereicherte Konzentrationen von Mineralen der
Platingruppe (PGM), vor allem Pt-Fe-Legierungen (Isoferroplatinum, Tetraferroplatinum) sowie
hexagonales Osmium (Os) und kubisches Iridium (Ir). Dazu kann noch Gold treten sowie (seltener)
Telluride, Sulfide und Arsenide der Platingruppenelemente (PGE). Weitere Minerale in den
Platinseifen sind Chromit, Olivin, Pyroxene und Quarz. Die Korngrösse der »Platin-Nuggets« kann bis
zu 5 mm erreichen und übertrifft damit die durchschnittliche Grösse von PGM in primären Lagerstätten. Die ersten Platinseifen wurden von den Spaniern im Gebiet des Choco (Kolumbien) entdeckt und abgebaut; der Name Platina, das »Silberchen«, bezieht sich auf die silberweisse Farbe des Platinmetalls. Im 19. Jh. fand man umfangreiche Platinseifen im mittleren Ural, besonders im Gebiet von Nischni Tagil. Diese wurden bis in die 1920er Jahre abgebaut; die 1840 in Russland in Umlauf gebrachten Drei-, Sechs- und Zwölf-Rubel-Münzen waren aus Seifenplatin hergestellt. Heute sind diese Vorkommen erschöpft. Platinseifen kommen auch in Westkanada (Tulameen River, Britisch Kolumbien), Burma, Kolumbien, Sierra Leone, Sibirien, Äthiopien (Yubdo) und in Südborneo (Kalimantan) vor. Die Entstehung dieser Vorkommen ist umstritten; lange wurden sie ausschliesslich für Erosionsprodukte primärer Lagerstätten in ultramafischen Gesteinen gehalten. Dem steht jedoch die oft im Millimeterbereich liegende Grösse der Platin- und Osmiridiumkörner in Seifen entgegen. Aus Goldseifen kennt man bis 1 m grosse Goldnuggets, die in situ gewachsen sind. Neue experimentelle Ergebnisse untermauern die Möglichkeit des Transportes von Platingruppenelementen (PGE) in niedrig-temperierten Lösungen. Es ist daher anzunehmen, dass auch Platinnuggets in Flusssedimenten wachsen können und dass zumindest ein Teil der Platinseifen auf diese Weise entstanden ist. Diese Problematik berührt einen der wichtigsten Streitpunkte der Lagerstättenforschung in den letzten 20 Jahren, nämlich die Möglichkeit einer nicht magmatischen, sondern hydrothermalen Bildung von Platinlagerstätten. Entgegen der früher ausschliesslich vertretenen magmatischen Theorie haben Feld- und Laboruntersuchungen die Möglichkeit des Transportes von PGE in wässrigen Lösungen quantitativ untermauert.
 
 

 

 

 
 
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