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Grenzwert

 
     
  Wert, der in der Toxikologie die Konzentrationen von Schadstoffen in der Umwelt limitieren und damit Mensch und Umwelt vor schädlichen Einwirkungen von Chemikalien oder Strahlen schützen soll. Die Festlegung von Grenzwerten basiert grundsätzlich auf den Erkenntnissen von P. Paracelsus: Alle Dinge sind Gift, allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist. Dies bedeutet, dass die Intensität biologischer Wirkungen von der Dosis bzw. Höhe und Dauer der Exposition bestimmt wird. Der Verlauf der Dosis-Wirkungsbeziehung impliziert, dass bei Stoffen mit reversibler Wirkung unterhalb einer bestimmten Dosis, dem no observable effect level (NOEL), kein Effekt zu erwarten ist. Für die besonders problematischen kanzerogenen oder mutagenen Stoffe, die zu Veränderungen des genetischen Materials (DNS) führen, lassen sich keine Wirkungsschwellen definieren. Bei solchen Stoffen ist davon auszugehen, dass auch kleinste Dosen zu Schädigungen führen können, die nicht vollständig reversibel sind. Dementsprechend summieren sich solche Schäden bei wiederholtem Kontakt und können letztlich in Abhängigkeit von Gesamtdosis und Zeit zur Entstehung von Tumoren bzw. genetischen Schäden führen. Grenzwerte von kanzerogenen bzw. mutagenen Chemikalien können daher das Risiko, durch die bestimmte Substanz an Krebs zu erkranken bzw. genetische Schäden zu erleiden, nur vermindern, jedoch nicht ausschliessen. Wichtige Voraussetzung für die Festlegung und Bedeutung von Grenzwerten sind daher Informationen über den Wirkungsmechanismus einer Substanz. Grundsätzlich ist zwischen drei Arten von Grenzwerten zu unterscheiden: Die toxikologisch begründeten Grenzwerte, die Richtwerte und die vorsorglichen Minimalwerte. Toxikologisch begründete Grenzwerte sind das Ergebnis einer eingehenden toxikologischen Bewertung eines Stoffes. Dazu werden sämtliche Informationen über die Wirkungseigenschaften, die Dosis-Wirkungsbeziehung (v.a. bei Langzeitbelastung) und zum Wirkungsmechanismus einer Substanz zusammengestellt und die Dosis ohne erkennbare Wirkung (NOEL) ermittelt. Der NOEL wird stets an der empfindlichsten Versuchstierspezies ermittelt. Diese Dosis wird um einen Sicherheitsfaktor, häufig Faktor 100, gemindert, um unterschiedliche Empfindlichkeiten zwischen Tier und Mensch zu berücksichtigen sowie interindividuelle Empfindlichkeiten innerhalb der Bevölkerung (alte Menschen, Säuglinge). Toxikologisch begründete Grenzwerte sind z.B. die Höchstmengen für Pflanzenschutzmittel in Nahrungsmitteln und für Nahrungsmittelzusatzstoffe, die ausschliesslich für Substanzen ohne kanzerogene Wirkung unter Berücksichtigung einer Dauerexposition der Bevölkerung gelten. Auch die maximalen Immissionskonzentrationen (MIK-Werte), die maximalen Arbeitsplatzkonzentrationen (MAK-Werte) oder die maximalen Raumluftkonzentrationen gehören zu dieser Gruppe von Grenzwerten (Immissionen).


Richtwerte gelten für Schwermetalle in und auf Lebensmitteln oder im Boden. Sie stellen die durchschnittliche Belastung der Nahrungsmittel oder des Bodens bzw. deren Perzentile dar. Sie sind also toxikologisch nicht begründet.


Vorsorgliche Minimalwerte gelten für unerwünschte Stoffe, z.B. im Trinkwasser. Sie werden so niedrig wie möglich angesetzt. So wird für Atrazin im Trinkwasser die Nachweisgrenze als Grenzwert festgelegt. Das bedeutet ein Minimieren auf niedrige Konzentrationen, die weit unterhalb von Wirkungsschwellen liegen. Überschreitungen sind nicht zu tolerieren, aber toxikologisch irrelevant. Selbst bei zehn- oder mehrfacher Überschreitung sind keine gesundheitlichen Konsequenzen zu befürchten.
 
 

 

 

 
 
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