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Geodynamik

 
     
  1) die Lehre von den Kräften in der Erde und den dadurch hervorgerufenen Bewegungen. Die verursachenden Kräfte sind v.a. thermodynamischer (Konvektionsströme) und gravitativer (Massenanziehung) Art. Thermodynamik entsteht durch die grosse Hitze im Erdkern sowie durch den radioaktiven Zerfall im Erdmantel. Sie erzeugt einen Konvektionsstrom der viskosen (zähflüssigen) Massen im Erdmantel. Heisses Material (mit geringerer Massendichte) steigt nach oben, kühlt sich ab, driftet unter der erstarrten äusseren Gesteinsschicht der Erde (Lithosphäre) seitwärts ab und sinkt an anderer Stelle wieder abwärts. Durch diesen Prozess entstehen gewaltige Massenverlagerungen, die Variationen der Bewegungen des gesamten Erdkörpers (Rotation der Erde) oder von Teilen davon (Deformationen) hervorrufen.


Die Erdrotation wird v.a. durch die Bewegungen des Erdkerns beeinflusst. Durch die Massenverlagerungen im flüssigen äusseren Kern wird einerseits ein Drehimpuls erzeugt und andererseits das Trägheitsmoment der Erde verändert. Als Folge davon verlagert sich die Erdrotationsachse relativ zum festen Erdkörper (Polbewegung) und es ergibt sich eine Variation der Rotationsgeschwindigkeit.


Die Deformationen der Erde infolge der Geodynamik betrifft neben der Massenverlagerung im Erdmantel durch die Konvektion v.a. die feste äusserste Schicht der Erde, die Lithosphäre. Durch die thermodynamischen Kräfte der aufsteigenden Konvektionsströme bricht die Lithosphäre linienhaft in einigen Gebieten auf (Mittelozeanische Rücken) und taucht bei den absinkenden Strömen aufgrund der gravitativen Kräfte ab (Subduktionszonen). Daraus folgt die ständige Bewegung der Lithosphärenplatten, die Plattenkinematik.


Die Effekte der Geodynamik lassen sich mit geodätischen Raumverfahren beobachten. Die unterschiedliche Massendichte der aufsteigenden und absinkenden Konvektionsströme hat wegen der Massenanziehung (Gravitation) einen Einfluss auf die Schwereanomalien und das Geoid. Aus deren Interpretation können somit Rückschlüsse auf die Geodynamik gezogen werden.


Die Auswirkung der Geodynamik auf die Änderung der Erdrotation (Polbewegung und Variation der Geschwindigkeit der Rotation der Erde) lässt sich mit geodätischen Raumverfahren, v.a. Radiointerferometrie und Global Positioning System, messen. Die Variationen haben die Grössenordnung von Tausendstel Bogensekunden (marc sec) in der Richtung der Rotationsachse (entsprechend einigen Zentimetern in der Lage des Erdrotationspols) und Hunderttausendstel Zeitsekunden in der Tageslänge (Änderung der Rotationsgeschwindigkeit pro Tag).


Die Deformationen der Erde aufgrund der Geodynamik können ebenfalls mit geodätischen Raumverfahren gemessen werden. Die Plattenkinematik, d.h. die Bewegung der festen Lithosphärenplatten, die maximal etwa 15 cm/Jahr beträgt, lässt sich mit Genauigkeiten von Millimeter pro Jahr durch GPS und SLR zu Satelliten sowie Radiointerferometrie bestimmen. 2) in der Geologie häufig ungenau verwendeter Begriff im Sinne von Geotektonik und/oder (Geo-) Kinematik (Kinematische Geodäsie), also der Bewegungsabläufe, denen geologische Körper unterworfen waren.


Literatur: [1] SCHEIDEGGER, A.E. (1982): Principles of Geodynamics. - Berlin. [2] TURCOTTE, D.L., SCUBERT, G. (1982): Geodynamics-Application of Continuum Physics to Geological Problems. New York.
 
 

 

 

 
 
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