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mäandrierender Fluss

 
     
  Mäanderfluss, ein durch eine Abfolge von Mäandern gekennzeichneter Flusslauf. Daneben existieren zahlreiche Begriffsdefinitionen, die restriktiv geometrische Merkmale (Mäanderamplitude, -wellenlänge, -radius usw.) zueinander in Bezug setzen. Als Anhaltspunkt kann der Sinuositäts-Index:


P=DF/DT


mit P=Sinuosität, DF=Flusslauflänge des betrachteten Talabschnitts und DT=Talstrecke des betrachteten Talabschnitts dienen. Bei P ≥ 1,5 kann von einem mäandrierenden Fluss ausgegangen werden. Entscheidend für den mäandrierenden Fluss ist die Dynamik der Mäandermigration. Die mehr oder weniger kontinuierlich seitlich und flussabwärts gerichtete Verlagerung der Flussschlingen führt zur Entwicklung von freien Mäandern (Abb. a). Im Bereich eines Mäanderhalses resultiert die konvergente Verlagerung zweier Prallhänge im Mäanderdurchbruch. Der Verkürzung des Flusslaufes an dieser Stelle folgt eine rasche Plombierung der abgeschnürten Mäanderbogenenden mit feineren Sedimenten (channel plug). Es entsteht ein durch Grundwasser gespeister Altlaufsee, der aufgrund seiner bisweilen jochartigen Form auch als oxbow lake bezeichnet wird. Dieses Stillgewässer verlandet (Verlandung) i.d.R. zusehends, wird aber bei Hochwasserereignissen geflutet und daher sporadisch mit minerogem Material beliefert. Der Mäandergürtel bezeichnet den Bereich, der bei vollem Ausgreifen der Mäanderamplitude überstrichen wird. Der aktive Mäandergürtel entspricht der Aue. Das Hochgestade stellt die über der Aue gelegenen Flächen einer ehemaligen Talsohle (im allgemeinen ältere Flussterrassen) dar. Die Ausbildung von freien Mäandern ist assoziert mit einer Talsohle oder Ebene aus Lockergesteinen, häufig aus Alluvionen des mäandrierenden Flusses selbst bestehend. Hingegen bezeichnet der gelegentlich verwendete Begriff Wiesenmäander einen mäandrierenden Flusslauf im sehr bindigen Alluvium. Dadurch wird der Prozess der Mäandermigration stark gehemmt und ist nur über grössere Zeiträume hinweg erkennbar. Die Ausbildung von Wiesenmäandern ist häufig gekoppelt mit der Aufschüttung ausgeprägter Uferwälle, so dass parallel auch Flusslaufverlegungen durch Avulsion auftreten können. Den freien Mäandern wird die Entwicklung von Talmäandern in Festgesteinen gegenübergestellt (Abb. b). Talmäander werden bei der tektonischen Hebung eines ursprünglich frei mäandrierenden Flussabschnittes weiter geformt. Die Tiefenerosion des Flusses in das feste Untergrundgestein kompensiert die Hebung (Antezedenz, Epigenese, Durchbruchstal), und ein mäandrierender Talzug entsteht. Die Gesteinseigenschaften bedingen wesentlich die weitere Formung der Talmäander. Bei Gleitmäandern kommt es trotz der relativen Festlegung zu einer allmählichen Mäandermigration, die eine Verstärkung von Mäanderamplitude und -sinuosität sowie die Ausformung eines asymmetrischen Talquerprofils mit steilem Prall- und abgeflachtem Gleithang bewirkt. Die Versteilung im Prallhangbereich fördert überdies die Hangdenudation. Schliesslich kann es im Bereich eines Mäanderhalses zum Mäanderdurchbruch, der Bildung eines Umlauftales und eines isoliert stehenden Umlaufberges kommen. Dagegen entsteht ein Durchbruchsberg aufgrund eines Durchbruchs zwischen einem Haupt- und einem Nebenfluss. Unterbinden die Gesteinseigenschaften des Anstehenden die Seitenerosion eines mäandrierenden Laufes, spricht man von Zwangsmäandern. Flussgrundrisstypen.

mäandrierender Flussmäandrierender Fluss: a) freie Mäander, b) Talmäander.
 
 

 

 

 
 
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