Lexikon Geologie Geografie Geowissenschaften  
Suche :        
   A   B   C   D   E   F   G   H   I   J   K   L   M   N   O   P   Q   R   S   T   U   V   W   X   Y   Z   #   

 

 
 

kognitive Karte

 
     
  mental map, gedankliche Karte, Vorstellungsbilder, Vorstellung (mentale Repräsentation) von einer räumlichen Situation, z.B. der Lage oder Ausdehnung eines Ortes oder der Distanz zwischen zwei Orten, sowie weiterer topologischer Merkmale, die häufig nicht mit realen Verhältnissen übereinstimmt. Innerhalb der räumlichen Kognitionsforschung hat sich die Unterscheidung zwischen verschiedenen Repräsentationen bewährt: Knotenpunktwissen (landmarks), Streckenwissen (route knowledge) und Überblickswissen (survey knowledge). Ausserdem ist bekannt, dass räumliche Repräsentationen durch nicht-räumliche (z.B. sematische) Informationen beeinflusst werden können.


Kognitive Karten dienen der Orientierung im Raum und unterstützen die Bewegung und Planung von Bewegungen des Menschen in der von ihm repräsentierten natürlichen und bebauten räumlichen Umwelt. Sie sind einem zeitlich erstreckten Erwerbsprozess unterworfen, wobei die Möglichkeit des Erwerbs, in Abhängigkeit von dem jeweiligen räumlichen Ausschnitt, variieren kann. Räumliche Lern-und Wissenserwerbsprozesse zum Aufbau kognitiver Karten basieren in der Regel auf Informationen aus verschiedenen Quellen. Räumliches Wissen (z.B. über eine Stadt) wird häufig parallel durch Eigenbewegung im Raum, durch Benutzung von Karten oder andere raumbezogene Medien und durch Einholung von verbalen Weg- oder Raumbeschreibungen erworben. Jede der drei externen Informationsquellen erzeugt im menschlichen Gedächtnis eine Vorstellung als kognitive Karte oder bestätigt bzw. korrigiert eine solche bereits vorhandene Karte. Dabei vollzieht sich der Erwerbsprozess zumeist nicht zweckfrei, sondern besitzt handlungssteuernde Funktionen (z.B. Streckenplanung). Kognitive Karten lassen sich als Kartenskizze abfragen und gestatten auf diese Weise Rückschlüsse auf räumliches Vorstellungsvermögen, Bildungsstand, räumliche Erfahrungen und Gewohnheiten. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass zwischen verschiedenen Menschen, in Abhängigkeit von dispositionellen oder lerngeschichtlichen Faktoren, gravierende interindividuelle Unterschiede in bezug auf die Qualität bzw. Realitätsadäquanz von kognitiven Karten zu finden sind. Die Erforschung kognitiver Karten ist vor allem deshalb von Bedeutung, weil das räumliche Handeln der Menschen in starkem Masse von kognitiven Karten beeinflusst wird. So werden im Rahmen geowissenschaftlicher Kartierungen und Felderhebungen gedanklich vorhandene georäumliche Musterelemente gesucht, die z.B. bestimmte geologische oder morphologische Formen repräsentieren. Die gedankliche Repräsentation dieser Mustertypen erfolgt durch kognitive Karten, deren Bildung, Organisation und Anwendung u.a. durch kartographische Präsentationen initiiert werden. Im Mittelpunkt der Forschungsarbeiten zu kognitiven Karten stehen Fragen der Bildung, Organisation und Benutzung von Wissen über den Raum. Sie lassen sich mit Hilfe verschiedener Erhebungs- und Auswertungsverfahren messen. Neben der Verhaltensbeobachtung (z.B. Latenzzeitmessung) werden insbesondere verschiedene Einschätzungsmethoden (z.B. Distanzen und Winkel), sowie Methoden der Modellrekonstruktion (z.B. Zeichen) benutzt.
 
 

 

 

 
 
Ein Bookmark auf diese Seite setzen:
 
 

 

 

 
 
<< vorheriger Begriff
 
nächster Begriff >>
Kofferfalte
 
kognitives Kartieren
 
     

Weitere Begriffe : optimaler Wassergehalt Pîrî Re‘îs ATKIS-DGM

 

 
Startseite GeoDZ
Copyright © 2010 GeoDZ.com. All rights reserved.  Nutzungsbedingungen  |  Datenschutzbestimmungen  |  Impressum