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Würm-Kaltzeit

 
     
  die jüngste Eiszeit des alpinen Vereisungsgebietes, die mit der Weichsel-Kaltzeit des nordischen Vereisungsgebietes gleichgesetzt wird. Benannt wurde die Eiszeit von Penck und Brückner 1901-1909 nach dem Fluss Würm, der den Starnberger See (Bayern) entwässert. Die Gliederung erfolgt für das Unter- und Mittelwürm aufgrund von warmklimatischen, lakustrinen und organogenen Ablagerungen, für das Oberwürm meist anhand glazialer Sedimente (Jungmoräne, Jungmoränenlandschaft). Als Schmelzwasserbildung wird die Niederterrasse in die Würm-Eiszeit gestellt.


Im Unterwürm lassen sich drei warm-gemässigte Perioden mit Fichten und wenig ausgeprägter Tannenausbreitung nachweisen, die jeweils von Zeiten verringerter Waldbedeckung getrennt werden. Eisvorstösse sind aus dem Unterwürm nicht sicher belegt.


Der Beginn der Würm-Eiszeit wird bei etwa 70.000 Jahren, ihr Ende vor etwa 11.000-10.000 Jahren angesetzt. Die in mehreren Phasen erfolgende Hauptvereisung des Oberwürm begann vor 25.000 Jahren, erreichte ihren Hochstand vor 20.000 Jahren und endete vor ca. 14.000 Jahren mit dem weitflächigen Abbau der Eismassen. Die Daten zeigen, dass die Zeiten des Eisaufbaues bis zum Ausbilden eines alpinen Eisstromnetzes und des Eisabbaues mit jeweils wenigen Jahrtausenden vergleichsweise kurz waren. Der Maximalstand des Eises ist in der Regel durch nur schwach ausgeprägte und teilweise überschotterte Moränenwälle dokumentiert. Markante Wälle (im Rheingletschergebiet: Äussere Jungendmoräne) markieren den Hauptstand, der von weiteren Endmoränen der Rückzugsstadien gefolgt wird. Bei diesen werden bei den alpinen Hauptgletschern drei Rückzugsphasen unterschieden, die weiter untergliedert sein können. Im Rheingletschergebiet wird der zweiten Rückzugsphase die Innere Jungendmoräne zugeordnet. Im allgemeinen blieb die Vorstossweite des Würmeises hinter demjenigen aus der vorangegangenen Riss-Kaltzeit zurück.


Der Schwarzwald war im Hochglazial ausgehend von mehreren Vereisungszentren vergletschert, wobei die klimatische Schneegrenze gegenüber heute um 1300 m auf etwa 900 m NN abgesunken war. Der Maximalstand ist meist durch Erratika sowie die Talform überliefert, wohingegen die verschiedenen Rückzugsstadien markante Endmoränen hervorgebracht haben. Es lassen sich vier hoch- bis spätwürmzeitliche Gletscherstände unterscheiden, die möglicherweise mit vier Gruppen von Karen genetisch korreliert werden können.


In den Vogesen waren während der Würm-Kaltzeit eine Anzahl Einzelgletscher entwickelt, die auf eine Absenkung der klimatischen Schneegrenze auf etwa 800 m NN schliessen lassen. Durch Endmoränen sind Serien von Haupt- und Rückzugsständen überliefert, deren Korrelation mit alpinen Eisständen bislang unklar ist. In den Vogesen findet sich der vollständige glaziale Formenkanon mit Karen, Kamesterrassen, Rundhöckern, Moränen, proglazialen Seen u.a.
 
 

 

 

 
 
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