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Tragfähigkeit

 
     
  1) Ingenieurgeologie: Grenzlast, a) in Böden die maximale Last (z.B. von einem Bauwerk ausgehend), die der Boden aufnehmen kann, ohne dass es zu einem Grundbruch kommt (Grundbruchsicherheit). b) nach DIN 1054 die Last Qg, unter der ein Druckpfahl bei einer Probebelastung merkbar versinkt bzw. ein Zugpfahl sich merkbar hebt. Im Last-Setzungs- bzw.


Last-Hebungsdiagramm wird Qg bei der Grenzsetzung sg erreicht, d.h. an der Stelle, wo der flache Kurvenbereich in den steil abfallenden Kurvenabschnitt übergeht. 2) Landschaftsökologie: Carrying capacity, maximale Zahl an Organismen, Arten oder Populationen, die in einem Lebensraum existieren können, ohne diese nachhaltig zu schädigen. Das Fassungsvermögen des Lebensraumes ist bei natürlichen Ökosystemen nur vom Naturraumpotential, also vom Leistungsvermögen des Landschaftshaushaltes, und den Ansprüchen der sich darin befindenden Lebensgemeinschaften abhängig. Die Populationsgrösse kann sich so lange ausdehnen, bis eine bestimmte Wachstumsgrenze erreicht ist. Ab diesem Sättigungsgrad kann das Ökosystem nicht mehr alle Individuen ernähren, das Naturraumpotential wird übernutzt, die natürliche Regenerationsfähigkeit des Ökosystems beeinträchtigt und das langfristige Überleben der Population ist nicht mehr gewährleistet. Durch die Übernutzung wird auch die Funktionsfähigkeit des Lebensraumes selber beeinträchtigt. Diese Prinzipen gelten analog auch für die Tragfähigkeit unserer Erde. Diese ist ebenfalls beschränkt und kann nur eine bestimmte Obergrenze an Menschen ernähren (Welternährungsproblem), auch wenn der Mensch die Nahrungsmittelproduktion beeinflussen kann. Schon Ende des 18. Jh. warnte der englische Demograph Malthus, dass die Weltbevölkerung exponentiell, die Nahrungsmittelproduktion aber nur linear wächst (Abb. 1). Wenn sich das Bevölkerungswachstum nicht verlangsamt oder sich die Nahrungsmittelerträge nicht vergrössern, wird daher die Tragfähigkeit der Erde früher oder später überschritten werden. Exakte Tragfähigkeitsberechnungen zur Vorhersage von Engpässen sind nur für kleine und einfache Lebensräume sowie für die nahe Zukunft möglich. Aussagen über die Tragfähigkeit der Erde bleiben wegen der Vielzahl zu berücksichtigender Naturraumpotentiale, natürlicher und gesellschaftlicher Faktoren sowie der raschen technischen Innovationsschübe immer äusserst spekulativ. Tendenzen sind aber trotzdem ersichtlich. So wird davon ausgegangen, dass selbst bei einer Ertragssteigerung in der Landwirtschaft auf das mehrfache der heutigen Werte in mehreren Jahrzehnten die Grenzen des Wachstums erreicht werden. Die Tragfähigkeit eines bestimmten Lebensraumes ist nicht immer konstant gleich gross, sondern verschiebt sich in Abhängigkeit natürlicher oder anthropogen verursachter Veränderungen des Funktionsgefüges des betreffenden Ökosystems (Abbildung 2).

TragfähigkeitTragfähigkeit 1: die Tragfähigkeit der Erde.

TragfähigkeitTragfähigkeit 2: Änderung der Tragfähigkeit und die Auswirkungen auf die Bevölkerungszahl.
 
 

 

 

 
 
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