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Neotektonik

 
     
  relativ neues Fachgebiet innerhalb der Geowissenschaften, das sich in der Geologie mit der Erforschung der jüngsten Deformationsstrukturen und Deformationsprozessen befasst. Der Begriff Neotektonik wurde erstmalig von Obruchev (1948) definiert, der darunter die Deformationen der Erdkruste verstand, die zwischen dem Ende des Tertiärs und der ersten Hälfte des Quartärs stattgefunden haben. Andere Wissenschaftler verwenden den Begriff für spröde und duktile Deformationen, die den Zeitabschnitt Neogen bis Gegenwart umfassen. Wie weit der mit der Vorsilbe "neo" bezeichnete Zeitraum der "jüngeren" Deformationsgeschichte in die geologische Vergangenheit zurückreicht, wird bislang sehr unterschiedlich gehandhabt. Im geologischen Sprachgebrauch setzt sich die Definition durch, deren Argumente von Steward & Hancock (1994) zusammengefasst wurden: Neotektonik ist der Zweig der Tektonik, der sich mit den Bewegungen und Kräften in der Erdkruste befasst, die im gegenwärtig herrschenden tektonischen Regime Krustenspannungen und Deformationsstrukturen erzeugen, die den derzeitig vorherrschenden Deformationszustand einer Region charakterisieren. Eine neotektonische Deformationsphase kann bereits in der geologischen Vergangenheit eingesetzt haben und unter den selben Rahmenbedingungen bis in die Gegenwart andauern. Dies bedeutet, dass, abhängig vom tektonischen Regime, neotektonische Deformationsphasen in unterschiedlichen Regionen zu verschiedenen Zeiten begonnen haben können und je nach Region, unter der Voraussetzung eines unveränderten tektonischen Spannungsfeldes, unterschiedlich lange Zeiträume umfassen. Mit dieser Definition wird die Zuordnung des Begriffs Neotektonik zu einer bestimmten Zeit vermieden.


Enge Wechselbeziehungen in der Erforschung neotektonischer Phänomene ergeben sich in den Schwerpunkten folgender Disziplinen: a) Fernerkundung: Identifikation von Lineamenten und Deformationsstrukturen auf Luft- und Satellitenbildern; b) Tektonik/Strukturgeologie: Bestimmung des relativen Alters von Deformationsstrukturen und deren Kinematik; Ableitung lokaler und regionaler Deformations- und Spannungsfelder; c) Morphotektonik: Analyse von Geländeformen, die Hinweise auf junge Bewegungen geben (z.B. Störungen in Strandlinien, Flussterrassen usw.); d) Seismotektonik: Erfassung der Beziehungen zwischen Erdbeben und tektonischen Prozessen; e) Geodäsie: GPS-Messungen (Global Positioning System), Very Long Baseline Interferometry (Radiointerferometrie) und Lasermessungen liefern rezente Deformationswerte und Deformationsraten.
 
 

 

 

 
 
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