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Cephalopodenkalk

 
     
  pelagische, mikritische Kalksteine mit häufigen Cephalopoden (Goniatiten, Clymenien, Ammoniten) und anderen planktonisch-nektonischen Faunenelementen, die i.d.R. in tieferem Wasser unter der Wellenbasis, z.T. unterhalb der photischen Zone abgelagert werden. Kondensation mit korrodierten Schichtoberflächen und eiseninkrustierte Hartgründe sind häufig. Entsprechend wird mit sehr niedrigen Sedimentationsraten gerechnet (1-5 mm pro 1000 Jahre). Die weitverbreitete Knollenkalk-Textur geht auf die diagenetische Entmischung eines primär tonreichen Kalkschlamms zurück, häufig bilden sich Kalkknollen um Cephalopodengehäuse (Verwesungsfällungskalk durch Ammonifikation oder Automikritbildung durch mikrobielle Zersetzung organischer Substanz); sie können auch aus bioturbaten Gefügen, z.B. Grabgängen, hervorgehen. Das nodulare Gefüge kann durch Drucklösung und Stylolithen-Bildung weiter akzentuiert werden. Häufig werden Cephalopodenkalke auf pelagischen Schwellen abgelagert ("Tiefschwellen", herzynische Fazies); lateral gehen sie dann unter Verminderung des Kalkgehaltes in tonige, z.T. noch Kalkknollen führende Sedimente der Beckenfazies über. An den Hängen der Schwellen sind Rutschungen und Debrisflow-Sedimente häufig, die zur Auflösung der ursprünglich schichtparallel angeordneten Kalknollen und zu chaotischen Lagerungsverhältnissen führen. Devonische Cephalopodenkalke (Abb.) in Südost-Marokko sind mit Kalken assoziiert, die birdseyes und Teepee-Strukturen enthalten; Horizonte mit bimodal orientierten, durch Wellengang eingeregelten Orthoceren sind eingeschaltet. Dies bedeutet, dass sich pelagische Ablagerungen offensichtlich auch in flachmarinen intrakratonalen Becken bilden können, in denen erhöhte Wasserenergie selten ist und Sedimenteintrag aus einem vollständig eingerumpften Hinterland weitgehend fehlt. Besonders häufig sind Cephalopodenkalke im Devon und Unterkarbon der europäischen und nordafrikanischen Varisziden; in Südfrankreich und Nordspanien sind sie unter dem Namen Griotte bekannt. Ebenfalls weit verbreitet, oft als Ammonitico rosso bezeichnet, sind sie in Obertrias und Jura des Tethys-Raumes (Alpen, Mediterrangebiete zwischen Griechenland und Südspanien). Ein Sonderfall sind die aus orthoconen Nautiliden-Gehäusen bestehenden Orthocerenkalke des Ordoviziums, Silur und Unterdevon.

CephalopodenkalkCephalopodenkalk: Cephalopodenkalk mit orthoconen und nautiliconen Nautiliden aus dem Unterdevon (Tafilalt, Südostmarokko).
 
 

 

 

 
 
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