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Böhmische Fazies, küstenferne Fazies des Devons im Bereich der Paläotethys (Thetys) und ihrer Nebenmeere, benannt nach der typischen Verbreitung im Harz bzw. in Böhmen. Die herzynische Fazies ist lithofaziell charakterisiert durch pelagische Kalke (Styliolinenkalke, Cephalopodenkalke), reine Tonschiefer und Gesteine der Tonschiefer-Kalk-Mischungsreihe ("Knotenkalk", "Knotenschiefer" etc., Abb.). Dabei werden die Kalke i.d.R. auf unterhalb der Wellenbasis liegenden Tiefschwellen gebildet und gehen lateral in Tonschiefer der eigentlichen Beckenbereiche über. Biofaziell herrschen Organismen des Plankton und Nekton vor: Conodonten, Styliolinen, pelagisch lebende Ostracoden, Goniatiten (Cephalopoda). Unter dem Benthos dominieren kleinwüchsige, gering ornamentierte und dünnschalige Brachiopoden, dissepimentlose Korallen und kleinäugige bis blinde Trilobiten. Die in der Regel geringmächtigen Schichtfolgen werden als Ablagerungen des tieferen, kühleren Wassers, das unterhalb der Wellenbasis, zum Teil unterhalb der photischen Zone liegt, interpretiert. Auf den Flachwasserschelfen des Unter- und frühen Mitteldevons geht die herzynische Fazies in die Rheinische Fazies über, im späten Mitteldevon und frühen Oberdevon (Frasne) vielfach in eine biostromal-biohermale Massenkalkfazies.
Herzynische Fazies: Knotenkalk (hohes Oberdevon, Thüringen). |
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