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Umweltwahrnehmung

 
     
  Raumwahrnehmung, in der Wahrnehmungspsychologie und der Kartographie der aktive und konstruktive Prozess der Wahrnehmung der natürlichen, erbauten und sozialen Umwelt, in dem Informationen aus der Umwelt zielgerichtet und situativ selektiert und auf der Grundlage raumbezogener und georäumlicher Erkenntnis-, Verhaltens- und Handlungsbedürfnisse als Wissen kognitiv repräsentiert und sprachlich sowie u.a. kartographisch abgebildet werden. Die Umwelt wird in diesem Zusammenhang als Gesamtheit der den einzelnen Menschen und die Gesellschaft umgebenden und auf sie in Form eines umfangreichen Reizangebotes einwirkenden Eigenschaften und Bedingungen des Raumes aufgefasst. Im Prozess der Wahrnehmung stellt die Umwelt danach eine u.a. optische Situation des Raumes dar, die zu einer kontinuierlichen Stimulation der sensorischen Organe und darauf basierend zur direkten Entnahme und Verarbeitung derjenigen Informationen führt, die bei wechselnden Stimuli invariant sind. Dieses sind beispielsweise charakteristische Eigenschaften von Gegenständen in der Umwelt, wie der typisch polygonale Grundriss von Liegenschaftsobjekten oder der typisch langkurvige Verlauf von Autobahnstrecken. Der Begriff der Umweltwahrnehmung basiert auf der ökologischen Sehtheorie aus den 1950er Jahren als eine der wichtigsten wahrnehmungspsyschologischen Schulen und stellt den aktiven, mit der Umwelt ständig in Interaktion befindlichen Menschen mit einer permanenten Zielausrichtung auf die Entnahme von Informationen für Denken, Verhalten und Handeln in den Vordergrund. Die Wahrnehmung der Umwelt erfolgt dabei unter dem Einfluss von z.B. geowissenschaftlichen Wissensstrukturen, Raumvorstellungen, Einstellungen, Motivationen, Erwartungen und Empfindungen. Umweltwahrnehmung hat das Ziel, Informationen aus der Umwelt zu gewinnen, um georäumliches Wissen zu bilden, raumbezogene Handlungen ausführen oder sich in der Umwelt verhalten und bewegen zu können. Aufgrund dieser Zielausrichtungen wird die Aufmerksamkeit auf diejenigen Merkmale gelenkt, die für die wahrgenommene Umwelt besonders charakteristisch sind. Grundlegende Kommunikationsmedien für die Wahrnehmung und gedankliche Verarbeitung der Umwelt sowie für das Verhalten und das Handeln in der Umwelt sind kartographische Medien. So unterstützt die Karte im Rahmen georäumlicher Erkenntnisprozesse sowohl die Abbildung wahrgenommener Umweltinformationen als auch die Entnahme von Informationen aus der Umwelt sowie deren gedanklichen Abgleich mit der Realität. Die Prozesse der visuellen Verarbeitung von Umweltinformationen sind deshalb für die Modellierung und Präsentation kartographischer Medien von elementarer Bedeutung und werden in der empirischen Kartographie untersucht.  
 

 

 

 
 
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