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Phylogenie

 
     
  Stammesgeschichte, die Phylogenie rekonstruiert die Entwicklung einzelner Organismengruppen (Taxa) im Lauf geologischer Zeiträume (phylogenetische Linien) sowie die Verwandtschaftsverhältnisse zwischen verschiedenen Taxa. Sie versucht, gemeinsame Vorfahren zu erkennen und auf diese Weise den Stammbaum einer grösseren Gruppe von Organismen zu entwerfen. Die Ergebnisse der Phylogenie beruhen in erster Linie auf der Abstammungslehre und sind in ihrer Konsequenz Beleg für die Evolution. Die Rekonstruktion phylogenetischer Linien bzw. von Stammbäumen hat durch die moderne Genetik sehr grosse Fortschritte gemacht. Traditionelle Werkzeuge sind die vergleichende Anatomie und die Embryologie. Entsprechend des Biogenetischen Grundgesetzes (Haeckelsche Regel, 1866) ist die Ontogenie eine abgekürzte Wiederholung (Rekapitulation) der Phylogenie. So zeigen Embryonalstadien von Säugern Stadien mit Kiemenspalten und Ruderschwanz, welche im Einklang mit der phylogenetischen Entwicklung der Vertebraten von kiemenatmenden Fischen zu lungenatmenden Tetrapoden steht (Abb.). Auch Jugendstadien von Organismen können mit den dort auftretenden Merkmalskomplexen stammesgeschichtliche Hinweise liefern. Direkte Belege für phylogenetische Zusammenhänge liefern rezente und fossile Übergangsformen, welche Merkmale verschiedener Gruppen aufweisen (missing link). Phylogenie erfolgt entlang einer gerichteten Zeitachse. Deswegen können von Rezentbiologen erkannte Zusammenhänge nur durch fossile Befunde methodologisch unabhängig getestet und bestätigt werden. Dazu dient einerseits die Kladistik, andererseits die traditionelle Methode der stratigraphisch-morphologischen Fossilanalyse (»stratophenetics«). Letztere arbeitet mit der morphologischen Ähnlichkeit von Fossilien in aufeinanderfolgenden stratigraphischen Einheiten. Sie muss jedoch morphologische Konvergenzen (Homöomorphien) und Arealverschiebungen ausschalten können, z.B. die Einwanderung eines weiterentwickelten Taxons, welches ein primitiveres, in diesem Fall phylogenetisch nicht direkt verwandtes Taxon verdrängt. Auf diese Art können irreleitende polyphyletische (von mehr als einem Vorfahren abzuleitende) oder paraphyletische (nicht alle Nachfahren enthaltende) Stammbäume entstehen. Das besondere Problem der vor allem morphologische Merkmale bewertenden Kladistik liegt in der problematischen, z.T. subjektiven Unterscheidung von primitiven und abgeleiteten morphologischen Merkmalen (Symplesiomorphien bzw. Synapomorphien) sowie in der oft mangelnden Beachtung der Zeitachse, d.h. des stratigraphischen Befundes.

PhylogeniePhylogenie: die Phylogenie als Wiederholung einer Folge von Ontogenesen. Vergleichbare frühe Ontogenesestadien (hier Embryonalstadien) belegen phylogenetische Zusammenhänge.
 
 

 

 

 
 
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