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Nowcasting

 
     
  bedeutet »Jetzt-Vorhersage«,im Zeitraum von Minuten bis zu zwei Stunden im voraus. Hierfür werden horizontale und vertikale Bewegungen in der Atmosphäre und auch die Intensität bereits vorhandener oder gerade entstehender Wettersysteme wie Schauer, Gewitter, Schneefallgebiete usw. extrapoliert. Für diesen Vorhersagebereich ist der forecaster trotz aller Automatisierung der Datenaufbereitung und Datenpräsentation voll gefordert (Abb.).


Um Nowcasting betreiben zu können, benötigt der Wetterberater sämtliche erreichbaren Wetterdaten, er muss das Wetter insgesamt überwachen. Dies bedeutet Beobachten, Messen und Zusammenstellen von vielfältigen Informationen zum Zwecke sofortiger Reaktion bei Gefahrensituationen. Eine Methode, um eine genaue Analyse der Ausgangswetterlage des gegenwärtigen Wetterzustandes zu erhalten, ist das Monitoring.


Folgende Teilbereiche sind zu unterscheiden: a) Die Datenassimilation erfolgt nahezu vollständig automatisch und erlaubt eine Analyse und Präsentation des aktuellen Wetters zu bestimmten Zeitpunkten. Hierbei handelt es sich mehr und mehr um flächendeckende Informationen aus Satelliten-, Radar- und Blitzortungssystemen (Blitzortung). b) Das Wetter der vergangenen Stunden muss nachvollziehbar sein, z.B. anhand von Radar- und Satellitenfilmen, die es ermöglichen, visuell und qualitativ die Wetterentwicklung zu erfassen. Die dabei auftretenden Änderungen sind rasch extrapolierbar. Mehr und mehr werden hierzu objektive und nahezu automatische Verfahren angewandt. c) Mittels statistischer Verfahren sind aus einer Datenbank mit lokalen Klimadaten typische (klimatologische) Änderungen, z.B. im Tagesverlauf oder bei bestimmten Wetterlagen, erhältlich.


Die anzuwendenden Methoden sind fast immer empirisch, sei es dass Bewegungen zu extrapolieren sind oder dass Erfahrungswerte in Form von einfachen Masszahlen oder von Entscheidungsbäumen entsprechende Kenntnisse vermitteln. Mit sehr schneller Datenübertragung und Datenverarbeitung erhält der Wetterberater alle Informationen bereits wenige Minuten nach ihrer Messung und Aufbereitung im Zentralcomputer. Automatische Programme lassen dem Nowcaster nur die "wichtigen" Meldungen zukommen, z.B. wo gerade ein Gewitter entsteht, wie stark es sich im Radarbild ausprägt, wo vielleicht auch Hagel- oder Starkniederschlag auftritt oder bald zu erwarten ist. Mit speziellen Verfahren ist es auch möglich, die mittels Radar- oder Satelliten-Beobachtung gewonnene Zugbahn von Gewitter- oder Niederschlagszellen zu extrapolieren.


Nowcasting erfordert gänzlich andere Methoden, als die Wetterprognose. Für diesen Zeitraum kann z.B. nicht die numerische Wettervorhersage genutzt werden, die für die längeren Zeiträume entscheidend ist. Mit Hilfe ähnlicher Fälle und vor allem mit Auswertungen bisheriger Vorhersagen, also mit Prognoseprüfungen (Verifikation), können wesentliche Teile des individuellen Wissens objektiv nutzbar gemacht werden. Dazu werden Index-Zahlen benutzt, die Beobachtungs- und Messwerte in Gewitter- oder Starkregen- oder Glätte-Wahrscheinlichkeiten umwandeln. So wird z.B. eine Schauerwolke, die noch nicht das Gewitterstadium erreicht hat, als Anzeiger für eine 60-prozentige Gewitterwahrscheinlichkeit genutzt. Wenn andere atmosphärische Parameter für den Tagesverlauf ebenfalls auf Gewitter schliessen lassen, bedeutet diese einzelne Wetterbeobachtung, dass in dieser Gegend die ersten Gewitter entstehen können. Satelliten-, Radar- und Blitzinformationen bestätigen (oder verneinen) eine weitere Entwicklung dieser Wolke zu einem Gewitter. Man-Machine-Mix.

NowcastingNowcasting: Schema der vor allem für Nowcasting benötigten Wetterinformationen.
 
 

 

 

 
 
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