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Agassiz

 
     
  Jean Louis Rudolphe, Schweizer Naturforscher, Anatom, Paläontologe und Geologe, Gletscher- und Eiszeitforscher * 28.05.1807 Motier (Schweiz, Kanton Fribourg), † 14.12.1877 Cambridge (Massachusetts, USA); studierte Medizin in Zürich (1824-26), Heidelberg (1826-27) und München (1827-30), wo er seine Studien mit der Promotion in Medizin 1830 abschloss. Der Aufenthalt bei Cuvier am Musée d´Histoire Naturelle in Paris (1831-32) wirkte prägend für die weitere wissenschaftliche Entwicklung Agassiz' Katastrophentheorie, Tatsachenforschung und Klassifizierung. 1832 übernahm er eine Professur in Neuchâtel. Von 1846 an wirkte Agassiz in Nordamerika. Zunächst in Boston lehrend, übernahm er aber schon 1848 eine Professur an der Harvard University in Cambridge. Hier gründete er 1858 das Museum of Comparative Zoology. Grossen Gewinn für das Museum brachten mehrere Forschungsreisen. So führte ihn u.a. eine Expedition 1865-1866 nach Brasilien; während einer Reise auf der "Hassler" (1871-1872) erfolgten Tiefwasser-Untersuchungen.


Schon während seiner Studienzeit beschäftigte sich Agassiz intensiv mit dem Thema, das ihn sein Leben lang begleitete: das Studium der Anatomie und Systematik rezenter und fossiler Fische. Die Ergebnisse sind in zahlreichen, teils monographischen Werken publiziert. Bedeutende Arbeiten entstanden auch zu Weichtieren (Mollusca) und Stachelhäutern (Echinodermata). Parallel dazu liefen seine Studien über Glazialgeologie, angeregt durch Beobachtungen an Gletschern in den Schweizer Alpen. Diese Untersuchungen mündeten in einer neuen Theorie über Bildung und Entwicklung sowie über die Bewegung der Gletscher und begründeten damit den Ruf Agassiz' als anerkannter Glaziologe. Auf ihn geht der Begriff "Eiszeit" zurück. Die Vollendung einer geplanten umfangreichen "Naturgeschichte der Vereinigten Staaten" wurde durch seinen Tod zunichte.


Trotz seiner intensiven paläontologischen, insbesondere ichthyologischen Studien war Agassiz Anhänger der von Cuvier begründeten Katastrophentheorie. Mit der Annahme einer Konstanz der Arten blieb er ein hartnäckiger Gegner Darwins und dessen Evolutionstheorie. Die Erkenntnis verwandtschaftlicher Zusammenhänge der fossilen Fische, ihrer Entwicklungslinien und ihrer zunehmenden Vervollkommnung durch die erdgeschichtlichen Zeiten führten ihn letztlich nicht zu der Konsequenz einer modernen Deutung. Er suchte hierfür sprechende Fakten der Zoogeographie durch Zentren der Schöpfung zu ersetzen und nahm Vernichtung und Neuschöpfung an den Grenzen der Formationen an, einschliesslich eines mehrfachen Ursprungs menschlicher Rassen. Hier wird - ein letztes Mal in der Paläontologie - die Befürwortung metaphysischer Kausalität, der "Schöpfergedanken Gottes", überaus deutlich.

AgassizAgassiz , Jean Louis Rudolphe
 
 

 

 

 
 
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