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Schuttflurvegetation

 
     
  offene, lichtbedürftige, meist konkurrenzschwache Pioniervegetation (Pionierpflanzen) auf feinerdearmen, noch nicht festgelegten Steinschutthalden. Besonderheiten dieses Lebensraumes sind extreme mechanische Beanspruchungen durch rutschenden Schutt und der oberflächlich meist trockene sowie feinerde- und nährstoffarme Untergrund.


Die Schuttflurvegetation verfügt über besondere Anpassungen, wie z.B. weitreichendes, zugfestes Wurzelsystem (daher als Schuttfestiger geeignet), gute Regenerationsfähigkeit, hohe Samenproduktion und Fähigkeit zur Etiolierung (starkes und schnelles Längenwachstum des Sprosses) bei Keimung in tieferen Schuttschichten. Schuttpflanzen wurzeln meist in tiefen Schichten, die beruhigt und feucht sind sowie eingebrachte Feinerde (organischer und anorganischer Flugstaub) enthalten. Schuttpflanzen können nach ihren Wuchsformen unterschieden werden (Abb.): Schuttwanderer (durchziehen den Schutt mit langen, sich bewurzelnden Kriechtrieben), Schuttüberkriecher (legen sich mit dünnen Trieben über den Schutt), Schuttstrecker (strecken aufrechte Sprosstriebe durch den Schutt), Schuttdecker (bilden wurzelnde Decken auf dem Schutt) und Schuttstauer (bilden mit einem dichten Feinwurzelwerk, mit Polstern und Horsten Hindernisse für den rutschenden Schutt). Nur die Schuttüberkriecher können flächige Humusdecken bilden und damit die Bildung von Schuttrankern (Ranker) bzw. Schuttrendzinen (Rendzina) einleiten. An ruhenden Standorten können dann konkurrenzstärkere Rasenpflanzen die Pioniervegetation ablösen. Sonst werden durch Schuttpflanzen nur punktuelle Humusinseln geschaffen.


Auf Kalk- und Silicatuntergrund bilden sich verschiedene Schuttpflanzengesellschaften (Pflanzengesellschaften): Auf Kalk findet sich die Ordnung der Thlaspietalia rotundifolii, welche folgende Gesellschaften enthält: Schneepestflur (Petasitetum paradoxi) an feinerdereichen, feuchten Standorten der subalpinen Stufe, Täschelkrautflur (Thlaspietum rotundifolii) auf Kalk- und Dolomitgeröll der nivalen Stufe und die Berglöwenzahnflur (Leontodetum montanei) auf feinem, feuchten Tonschieferschutt der alpinen Stufe. Die Silicatschuttfluren (Androsacetalia alpinae) teilen sich in die Alpenmannsschildflur (Androsacetum alpinae) in der hochalpinen-nivalen Stufe und die Säuerlingsflur (Oxyrietum digynae) auf feuchten Standorten der alpinen Stufe. Auf trockenen Grobschutthalden der montan-alpinen Stufe findet sich die Weissblattdost-Gesellschaft (Adenostyletum leucophyllae). Zwischen den Kalk- und Silicatgesellschaften stehen die Kalkschieferhalden (Drabion hoppeanae).


Im Gegensatz zur Schuttflurvegetation kommt die Ruderalvegetation auf gestörten, (meist anthropogen bedingten) feinerdereichen, nicht geneigten Kies- und Sandstandorten im Flachland vor.

SchuttflurvegetationSchuttflurvegetation: verschiedene Schuttpflanzentypen.
 
 

 

 

 
 
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