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Polje

 
     
  grosse geschlossene Hohlform der Karstgebiete (Karst) mit unterirdischer Entwässerung. Poljen sind überwiegend langgestreckte, teilweise talartig gewundene Becken mit fast ebenem Boden (Abb. 1). Sie werden häufig von steilen Hängen umrahmt, die sich mit einem scharfen Knick von der Ebene abheben. Die umrahmenden Höhen weisen in vielen Fällen mindestens eine Einsenkung (Poljeschwelle) auf, die deutlich niedriger als die übrigen Höhenzüge liegt. Der Poljenboden ist meist mit sandigen bis lehmig-tonigen Sedimenten bedeckt, die mehrere Dekameter mächtig sein können. Diesem Umstand verdanken die Poljen ihre Bezeichnung, die ursprünglich Feld bedeutet, denn die sedimentbedeckten Ebenen sind vielfach die einzigen grösseren Ackerflächen in Karstgebieten (Abb. 2). Die grössten Poljen umfassen mehrere hundert Quadratkilometer Fläche. Die Poljenböden haben oft ein geringes Gefälle, das sich gegen mehrere Tiefpunkte richtet, an denen Wasser in Ponoren oder Klüften verschwindet. Es gibt Poljen, die von Bächen durchflossen werden, die am Rande aus Karstquellen entspringen, die Ebene queren und in Ponoren wieder verschwinden. Die wenig oder nicht durchlässigen Ablagerungen am Poljeboden verhindern ein Versickern in der Ebene. Im dinarischen Karst sind einige Poljen nach den ergiebigen Niederschlägen im Winter überflutet, in manchen sind ganzjährige Seen vorhanden (Poljenseen). Je nach geologischer Situation, hydrologischen oder geomorphologischen Verhältnissen werden verschiedene Poljentypen unterschieden: Semipoljen erstrecken sich auch in nicht verkarstungsfähigen Gesteinen, werden also von unterschiedlichen Gesteinen unterlagert. Randpoljen hingegen liegen unmittelbar am Rand von nicht verkarstungsfähigem Gestein, werden aber vollständig von Karstgestein unterlagert. Bei Flusspoljen queren Fliessgewässer den abgedichteten Poljenboden und enden in Flussschwinden (Schwinde). Bei Staupoljen liegt der Poljenboden im Schwankungsbereich der Karstwasserfläche und es kommt zu periodischen Überflutungen. Seenpoljen enthalten Seen, die ganzjährig mit Wasser gefüllt sind. Flächenpoljen sind in gehobene Altflächen eingetieft und Talpoljen entwickelten sich aus älteren Talsystemen. Polymorphe Poljen zeigen die Merkmale zweier oder mehrerer der genannten Poljentypen.


Ein weiteres Merkmal von Poljen sind isolierte Restberge aus Karstgestein, die oft mit markantem Fussknick aus der Ebene aufragen (Hum). Die Häufigkeit von Poljen ist in Gebieten mit flachlagernden Gesteinsschichten geringer als in Gebieten mit gefaltetem Untergrund. Dort folgt die Längserstreckung vieler Becken der Streichrichtung des Gebirges. Die Genese der Poljen ist bislang nicht zweifelsfrei geklärt. Sie kann möglicherweise durch bereits vorhandene Vorformen, wie z.B. tektonische Senken, intramontane Becken oder Blindtäler, initiiert werden. Wichtiger Aspekt für die laterale Ausdehnung der Poljen ist die Abdichtung des Untergrundes mit nicht löslichen Sedimenten. Dies begünstigt den Abfluss der Wässer zum Rand und dort die korrosive Ausdehnung der Polje.

PoljePolje 1: Profil durch eine Polje.

PoljePolje 2: Polje im Blockbild.
 
 

 

 

 
 
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