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Hunsrückschiefer

 
     
  unterdevonische Fazies im Rheinischen Schiefergebirge mit feinkörnigen, dunklen, deutlich geschieferten Gesteinen, die südlich einer grossen Störungszone, die linksrheinisch als Mayener, rechtsrheinisch als Siegener Hauptaufschiebung bezeichnet wird, anzutreffen sind. Unterdevonische Gesteine zeigen im Rheinischen Schiefergebirge eine generelle Abnahme der Korngrösse von Nordwesten nach Südosten, also in zunehmender Entfernung vom Hauptliefergebiet (Old-Red-Kontinent). Dabei sind die Grenzen zwischen sandiger "Normalfazies" und Tonschiefer-Fazies paläogeographisch nicht scharf und werden durch den tektonischen Baustil zusätzlich verdeckt.


Im Gebiet des Hunsrückschiefers sind vielerorts Dachschiefer abgebaut worden; sandige Einschaltungen sind hier selten, fossilarm und geringmächtig. Der Hunsrückschiefer als Fossillagerstätte umfasst Ablagerungen aus Obersiegen bis mittleres Unterems.


Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts waren diese Vorkommen Gegenstand zahlreicher Bearbeitungen. Richter schloss 1931 anhand sedimentologischer, taphonomischer und biofazieller Analysen auf einen flachmarinen Ablagerungsbereich im äusseren Schelf, welcher vom offenen Ozean durch eine südlich vorgelagerte Insel abgetrennt war. Er stellte erstmals klar heraus, dass bestimmte Organismenreste in bestimmten, meist geringmächtigen Lagen angereichert sind. Bartels, Briggs & Brassel (1998) sehen in den Dachschiefern Turbiditablagerungen zwischen progradierenden Sandfächern. Bei maximal 200 m Wassertiefe war der Beckenboden von einer Infauna gekennzeichnet, was auf eine gut durchlüftete Wassersäule schliessen lässt. Von Zeit zu Zeit wurden Lebewesen des Benthos durch Trübeströme begraben; die auflagernde Sedimentschicht schützte vor Aasfressern und führte nach kurzer Zeit zu anoxischen Bedingungen und schliesslich zur Pyritisierung der Organismenreste.


In der Hunsrückschieferfauna sind die Echinodermen besonders artenreich vertreten, speziell die Seelilien, See- und Schlangensterne (Abb.), gefolgt von Arthropoden (v.a. Trilobiten), Cephalopoden und Wirbeltieren (Agnatha und Gnathostomata). Andere Tiergruppen, die im neritischen Faziesbereich der landnäheren "sandigen Normalfazies" dominieren, treten hier etwas zurück: tabulate und rugose Korallen, Schnecken, Muscheln, Brachiopoden und Bryozoen. Seltener sind Schwämme, quallenartige Tiere und Conularien. Einzelne Elemente der Hunsrückschieferfauna bezeugen, dass zumindest zeitweise Tiere aus landfernen, offen marinen Räumen hierher Zugang fanden (z.B. die Trilobitengattung Scutellum), andere geben Anlass zur Vermutung, dass zumindest Teilbereiche des Ablagerungsraumes zeitweise Brackwasserbedingungen unterlagen (Lagen mit zahlreichen Drepanaspiden und gleichzeitigem Fehlen vollmariner Fauna). Bestimmbare Pflanzenreste sind selten, abgesehen von Sporen.


Die grosse Bedeutung dieser Fossillagerstätte ergibt sich aus dem Umstand, dass sehr viele, sonst meist nur fragmentarisch bekannte Fossilien hier vollständig überliefert worden sind. Die Organismenreste sind häufig pyritisiert und erlauben eine Abbildung mit Hilfe der Röntgen-Technik. Feinste Hartteil-Strukturen sind so erkennbar (eine wichtige Voraussetzung für eine sachgemässe mechanische Präparation filigraner Skelettelemente), aber auch Umrisse bis Details von Weichteilen werden infolge frühdiagenetischer, bakterieller Prozesse und der damit einhergehenden Pyritisierung sichtbar.




HunsrückschieferHunsrückschiefer: Oberflächenaufnahme einer Schieferplatte mit präpariertem Schlangenstern. Die Arme sind durch bodennahe Strömung eingeregelt.
 
 

 

 

 
 
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