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Haeckel

 
     
  Ernst Heinrich Philipp August, deutscher Zoologe, Arzt und Naturphilosoph, * 16.2.1834 Potsdam, † 9.8.1919 Jena. Nach seinem Studium der Medizin in Berlin, Würzburg und Wien, promovierte Haeckel 1857. Als Arzt praktizierte er nur ein Jahr und entschloss sich zu einer meeresbiologischen Studienreise (1859-60), die ihn an den Golf von Messina (Italien) führte. Nach seiner Rückkehr habilitierte er sich (1861). Die Ergebnisse seiner Studienreise legte er in einer ersten grossen Monographie "Die Radiolarien" (1862) vor, in der er 144 neue Arten beschrieb. Die wissenschaftliche Anerkennung seiner Forschung erbrachte ihm die Ernennung zum ausserordentlichen Professor für Zoologie und Direktor des Zoologischen Museums in Jena. 1865 erfolgte der Ruf zum ausserordentlichen Professor auf den neugegründeten Lehrstuhl für Zoologie an der Philosophischen Fakultät der Universität Jena. Berufungen an andere Universitäten lehnte Haeckel stets ab und lehrte zu seiner Emeritierung 1909 in Jena.


In seinem theoretischen Hauptwerk "Generelle Morphologie der Organismen" (1866) versuchte er ein natürliches System zu schaffen, das die Phylogenie (stammesgeschichtliche Abstammung der Organismen) wiedergeben sollte. Durch den morphologischen Vergleich stellte er fest, welche Arten näher oder ferner miteinander verwandt sind und stellte die Verwandtschaftsverhältnisse als erster in Stammbäumen dar. Alle Lebewesen auf der Erde, den Menschen eingeschlossen, leitete er von hypothetischen Ur-Organismen ("Monera") ab, die durch Selbstzeugung aus anorganischer Materie hervorgegangen seien. Haeckel war ein entschiedener Verfechter des Darwinismus (C. Darwin). Er lehnte eine übernatürliche Schöpferkraft ab und stellte dem seine Lehre vom Monismus gegenüber (1906 Gründung des Monistenbundes). Für ihn war Gott identisch mit der Natur; Kraft, Materie und Geist seien nicht voneinander zu trennen. Das Einbeziehen des Menschen in seinen Stammbaum hat ihm viel Kritik von Klerikern, Philosophen und anderen Wissenschaftlern eingetragen. In seinem "Biogenetischen Grundgesetz" (1872) beschrieb er das allgemeine "Gesetz von der Rekapitulation", wonach ein Individuum während seiner Ontogenese (Individualentwicklung) eine kurze, gedrängte Wiederholung der langen Formenreihe durchläuft, welche die Vorfahren oder Stammformen seiner Art von den ältesten Zeiten bis in die Gegenwart durchlaufen haben. Dieses "Gesetz" ist schon zu Haeckels Lebzeiten umstritten gewesen, da es bei strikter Anwendung zu Fehldeutungen führen kann, weshalb man heute eher von einer "Regel" spricht. Haeckel unternahm weitere Forschungsreisen nach Norwegen, Russland, Indien, Indonesien, ans Rote Meer und in den Mittelmeerraum. Auf diesen Reisen führte er u.a. entwicklungsgeschichtliche und systematische Untersuchungen an Korallen, Medusen und Schwämmen durch. Seine Ergebnisse stellte er in mehreren Monographien dar. In dem Buch "Die Kalkschwämme" (1872) formulierte er seine "Gastraea-Theorie", nach der die Gastrula (Becherkeim) ein Abbild einer hypothetischen Stammform aller Metazoen (Vielzeller) sei.


Haeckel schrieb eine Vielzahl von Büchern und Schriften, u.a. die "Natürliche Schöpfungsgeschichte des Menschen" (1868), "Keimes- und Stammesgeschichte" (1874) und die "Systematische Phylogenie. Entwurf eines natürlichen Systems der Organismen auf Grund ihrer Stammesgeschichte" (1894-96). Mit seinen späten Schriften wie "Die Welträthsel" (1899) oder der künstlerisch orientierten Darstellung "Kunstformen in der Natur" (1899-1904) versuchte er seine Ideen populär zu machen. Haeckel erhielt mehrere Ehrendoktorwürden und war Mitglied von etwa 90 Wissenschaftlichen Gesellschaften und Akademien.




HaeckelHaeckel , Ernst Heinrich Philipp August
 
 

 

 

 
 
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