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Erdbebenvorhersage

 
     
  Vorhersage von Erdbeben nach Ort, Zeit und Magnitude. In Abhängigkeit von der Genauigkeit, mit der v.a. die Zeit vorhergesagt werden kann, unterscheidet man drei Kategorien: a) langfristige Vorhersagen viele Jahre im Voraus, b) mittelfristige Vorhersagen Wochen bis Monate im Voraus und c) kurzfristige Vorhersagen Stunden oder wenige Tage im Voraus. Langfristige Vorhersagen beruhen auf langjährigen Beobachtungen von Erdbeben und der Auswertung von historischen Erdbeben, deren Ergebnisse in Erdbebenkatalogen festgehalten werden. Die Angaben, die gemacht werden können, sind vorwiegend statistischer Natur (Magnituden-Häufigkeits-Beziehung, seismisches Risiko). Die Identifizierung von seismischen Lücken ist ein weiteres Beispiel einer Beobachtung, die der langfristigen Vorhersage dienen kann. Erdbebenvorläufer sind die Grundlage von mittel- und kurzfristigen Vorhersagen. Der am leichtesten zu beobachtende Parameter ist die Verteilung von Erdbeben in Raum und Zeit. Man hat in einigen Gegenden beobachtet, dass die Erdbebenaktivität vor einem grossen Beben sehr niedrig ist. Diese seismische Ruhe kann Monate oder Jahre anhalten. Ihr Ende wird häufig, aber nicht immer, durch Vorbeben angekündigt. Es ist meist nicht möglich zu entscheiden, ob die Vorbeben in der Tat Vorläufer eines starken Erdbebens sind. Leider zeigen diese und andere mögliche Erdbebenvorläufer eine ausserordentliche Variationsbreite und sind häufig überhaupt nicht zu erkennen, so dass eine gesicherte Methode der Erdbebenvorhersage trotz vielfältiger Bemühungen, v.a. in den USA und Japan, bis jetzt noch nicht gefunden werden konnte. Das Haicheng Erdbeben (M =7,3) im Nordosten von China war das erste und bis jetzt einzige starke Erdbeben, das kurzfristig zum Nutzen der dort lebenden Bevölkerung vorhergesagt werden konnte. Vorausgegangen waren Änderungen des Grundwasserspiegels, Neigungsänderungen der Erdoberfläche, Vorbeben und seltsames Verhalten von Tieren. Als die Zahl der Vorbeben am 4.2.1975 dramatisch zunahm, gab das regionale Büro des Chinesischen Seismologischen Dienstes eine Erdbebenwarnung heraus. Diese veranlasste die Behörden, die schnelle Evakuierung der Bevölkerung aus den Gebäuden der Stadt anzuordnen. Das am gleichen Tag folgende Erdbeben verursachte an 90% der Gebäude schwere Schäden und Zerstörungen, forderte aber dank der Evakuierung kaum Menschenleben in der Millionenstadt. Nach der anfänglichen Euphorie unter Seismologen wurden die Schwierigkeiten der Erdbebenvorhersage 18 Monate später durch ein noch stärkeres Erdbeben (M = 7,7) bei Tangshan, etwa 200 km südwestlich von Haicheng gelegen, leider sehr deutlich gemacht. Wahrscheinlich über 200.000 Menschen fanden bei dem Erdbeben den Tod. In diesem Fall wurden keine Vorläufer beobachtet und deshalb auch keine Warnungen veröffentlicht. Das Problem der mittel- bis kurzfristigen Vorhersage von Erdbeben ist eines der bedeutendsten Forschungsthemen in der Seismologie. Solange es nicht gelöst ist, muss man, ausgehend von der statistischen Analyse der Seismizität in einem Gebiet (seismisches Risiko), die seismische Gefährdung durch erdbebensichere Bauweise so weit wie möglich vermindern.  
 

 

 

 
 
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