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Barrande

 
     
  Joachim, französischer Royalist, Ingenieur und Paläontologe, * 11.08.1799 in Sangues (Haute-Loire), † 05.10.1883 in Frohsdorf bei Wien. Barrande entstammt einer alten spanischen Adelsfamilie. Seine Ausbildung erhielt er an der Ecole Polytechnique und an der Ecole des Ponts et Chaussées in Paris. Neben den technischen Wissenschaften galt sein besonderes Interesse von Jugend an auch den Naturwissenschaften. Er hat dies während seines Studiums in Paris vertieft, wo zu der Zeit u.a. Lamarck, Cuvier und Geoffrey-Saint-Hilaire wirkten. 1830 begleitete er die durch die Juli-Revolution vertriebene französische Königsfamilie nach England und Schottland (Edinburgh) und dann 1831 weiter nach Böhmen. 1831 wurde er Lehrer und Erzieher des Prinzen Heinrich von Chambord. In Prag lernte Barrande bedeutende Persönlichkeiten der tschechischen Wissenschaft kennen, u.a. den Grafen Gaspard Sternberk. Sternberk war ein begeisterter Fossiliensammler und ein engagierter Befürworter der Gründung eines Böhmischen Museums (1818). 1833 verliess er die königliche Familie Böhmen wieder. Auf Vermittlung Sternberks übernahm er die technische Aufsicht des Baus der Pferdebahn von Prag nach Lany, die als Teil der Verbindung Prag - Pilsen auch der Anknüpfung des Steinkohlenbergbau-Gebietes von Radnice dienen sollte. Ein wesentlicher Aspekt seiner Tätigkeit bestand in der Vermessung der Bahntrasse. Hierbei lernte er die durch ihn berühmt gewordenen Fundstellen kambrischer Trilobiten von Skryje und Tyrovice kennen. Deren reichhaltige Fauna wurde von ihm als die allerälteste, plötzlich entstandene Fauna angesehen. Unter der Bezeichnung Primordialfauna des Silurs ging sie in die Geschichte der Paläontologie ein.


Die grosse Bedeutung Barrandes liegt in der vierzig Jahre währenden und umfassenden geologischen und paläontologischen Erforschung des Paläozikums der Prager Mulde, insbesondere des Silurs. Die Probleme der Gliederung dieses frühen erdgeschichtlichen Zeitabschnittes spiegeln den grossen wissenschaftlichen Streit zwischen Sedgwick und Murchison wieder, in den auch Barrande hineingezogen wurde und zugunsten Murchison Stellung bezog. Grundlage seiner Erkenntnisse war seine reichhaltige und einmalige Fossilsammlung, die mit Hilfe speziell ausgebildeter und fest angestellter Sammler in eigens dazu angelegten Steinbrüchen zusammengetragen wurde. Diese wertvolle Sammlung hat er später dem Böhmischen Landesmuseum vermacht. Sie diente ihm zur Erarbeitung seiner stratigraphischen Gliederung, die wiederum auch für die Entschlüsselung tektonischer Fragestellungen von Wichtigkeit war. Barrande schuf damit die entscheidenden Grundlagen für spätere moderne Analysen und Synthesen. Man hat ihn daher mit Darwin verglichen. Beide haben einen Bruch in ihrem Werdegang zu verzeichnen, indem sie ihren ursprünglich eingeschlagenen Berufsweg aufgaben und sich konsequent den Naturwissenschaften zuwandten. Doch in ihren Zielsetzungen unterschieden sie sich. Der Techniker Barrande war bis zu einem gewissen Grade Gefangener seines exakten, traditionellen Denkens und konnte daher im Gegensatz zu Darwin nicht zu den grossen evolutionistischen Ideen Zugang finden. Dies schmälert indessen nicht seine epochale Leistung für die Erforschung Zentralböhmens, die Böhmen weltweit zu einem klassischen Gebiet der Erdgeschichte werden liess.


Sein Lebenswerk ist im 22 Bände umfassenden Werk "Système Silurien du Centre de la Bohême" niedergelegt. Es umfasst ca. 6000 Seiten, 1160 Lithographien, und er beschrieb und illustrierte darin 3550 fossile Arten aus dem Silur. Es bildet nach wie vor die Grundlage der Geologie und Paläontologie der Prager Mulde, respektive des ihm zu Ehren benannten Barrandiums. Die Würdigung seines Werkes zeigt sich u.a. in der vielfältigen Vergabe seines Namens: Fossilien tragen ihn, ein geologisches Profil im Süden Prags ist durch eine Bronzetafel als Barrande-Felsen ausgewiesen und ein Stadtteil Prags (Barrandov) bewahrt sein Andenken.
 
 

 

 

 
 
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