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Graphische Semiologie

 
     
  ist ein eigenständiger wissenschaftlicher Theorieansatz und eine allgemeine Graphiklehre des französischen Kartographen, Wirtschaftswissenschaftlers und Statistikers J. Bertin und basiert auf erkenntnistheoretischen und sprachwissenschaftlichen Ansätzen des französischen Strukturalismus. Die graphische Semiologie wurde an dem 1954 gegründeten kartographischen Labor der École Pratique des Hautes Études in Paris entwickelt. Als Hauptformen des graphischen Ausdrucks unterscheidet Bertin zwischen Diagrammen, Netzen und Karten. Diese Einbeziehung kartographischer Zeichen in ein übergeordnetes graphisches System führte erstmals zu einem weltweit akzeptierten Graphikansatz in der Kartographie. Der Theorieansatz der graphischen Semiologie geht davon aus, dass in Karten nur Gleichheiten, Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen Zeichen eindeutig wahrgenommen werden können und dass diese Zeichenbeziehungen aufgrund von entsprechenden Denkkategorien des Menschen verständlich sind und damit auch den logischen Kategorien der Unterscheidung von Zeichenbedeutungen entsprechen. Die generelle Gültigkeit dieses Theorieansatzes ist bislang allerdings noch nicht empirisch nachgewiesen worden. Realisiert wird der Theorieansatz u.a. durch die graphischen Variablen als graphische Mittel zur Variation eines gestaltlosen Fleckens und zur Einordnung des Fleckens nach den beiden Richtungen der Zeichenebene. Ein Flecken kann danach graphisch in der Grösse, der Form, der Helligkeit (Tonwert), dem Muster (Struktur der Flächenfüllung), der Richtung und der Farbe variiert werden. Beide Richtungen der Zeichenebene können im graphischen System für sach-, wert-, zeit- und raumbezogene Abbildungen eingesetzt werden. Auf der Grundlage der jeweiligen Gliederungsstufe bzw. des jeweiligen statistischen Skalenniveaus von abzubildenden (Geo-)Daten werden dabei Variablentypen unterschieden. Sie gliedern die graphischen Variablen zur Variation kartographischer Zeichen erstens in Variablen zur Repräsentation von nominalskalierten Objektbeziehungen, zweitens in Variablen zur Repräsentation von ordinalskalierten Objektbeziehungen und drittens in Variablen zur Repräsentation von ratio- und intervallskalierten Objektbeziehungen (Zeichenreferenzierung). Die hier implizierte Differenzierung der Gliederungsstufen für Daten sowie der graphischen Variablen selbst hat sich mit der Einführung der DV-Technologie und den damit verbundenen Erfordernissen der Datenstrukturierung etabliert. Die graphische Semiologie stellt hiermit in der Kartographie den ersten umfassenden Regelansatz zur logischen Zuordnung von einheitlich strukturierten Zeichen zu einheitlich strukturierten Daten dar. Der formale Aufbau des strukturalistischen Regelansatzes der graphischen Semiologie berücksichtigt allerdings noch keine Ausrichtung von Karten auf spezifische Funktionen und Nutzer von Karten und vernachlässigt die mit dem einzelnen Zeichen erzeugbare Übereinstimmung mit der unmittelbaren Zeichenbedeutung, beispielsweise durch Analogien oder Assoziationen.  
 

 

 

 
 
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