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Verdrängung

 
     
  1) Ökologie: Überleben einer Art, einer Population oder eines Genotyps in einem Lebensraum auf Kosten eines anderen. Verdrängung geschieht bei der Einführung von Neophyten oder fremdländischen Tieren, die aufgrund kompetitiver Überlegenheit (Konkurrenz) und weil sie nicht von Parasiten geschwächt werden einheimische Arten verdrängen können. In manchen mitteleuropäischen Auegebieten droht beispielsweise die kanadische Goldrute (Solidágo canadénsis) viele Vertreter der einheimischen Vegetation zu verdrängen. In Fliessgewässern verdrängte an vielen Orten die amerikanische Regenbogenforelle die einheimische Bachforelle. 2) Kartographie: Generalisierungsmassnahme, die die Lesbarkeit der Folgekarte sichert, indem durch die relative Vergrösserung der Kartenzeichen im Folgemassstab hervorgerufene Überlagerungen graphisch korrigiert werden. Die Verdrängung bedeutet zugleich eine geringfügige Veränderung der Lagebeziehungen und folglich der Geometrie des kartographischen Modells. Die damit verbundenen Abweichungen von der Wirklichkeit nehmen bei fortschreitender Verkleinerung der Massstäbe zu. In der Regel wird die Verdrängung als letzte Massnahme der Generalisierung durchgeführt, d.h. nach dem Darstellungsumschlag, der Formvereinfachung und Zusammenfassung der für den Folgemassstab ausgewählten Objekte. Bei Massnahmen der Verdrängung wird eine von der Bedeutung der Objektklassen bestimmte Rangfolge (Verdrängungshierarchie) eingehalten. Die Lage einiger Objekte wird unter keinen Umständen verändert. In topographischen Karten betrifft das u.a. Fest- und Höhenpunkte, Grenzen und die Hydrographie. Verdrängt wird stets so, dass die topologischen Strukturen erhalten bleiben. 3) Petrologie: Veränderung der chemischen Zusammensetzung oder Abbau von Mineralen oder Fossilien und Neubildung von Mineralen oder Mineralaggregaten an deren Stelle, häufig unter Erhaltung der ursprünglichen Kristallform der verdrängten Minerale oder der organischen Strukturen (Pseudomorphose). Dies geschieht weitestgehend im festen Zustand und ohne grössere Volumenänderung durch diffusiven Stoffaustausch (Festkörperreaktion) oder durch gleichzeitige Auflösung und Wiederausfällung. Es ist zu unterscheiden zwischen: a) isochemischem Verlauf bei der Metamorphose (bezogen auf den Gesamtgesteins-Chemismus und die nichtflüchtigen Komponenten), z.B. die Verdrängung von Disthen durch Sillimanit, die Serpentinisierung von Olivin oder die Amphibolisierung von Pyroxen (Uralitisierung), und b) allochemischem Verlauf, bei dem die Verdrängungsreaktionen durch externe Stoffzufuhr (Metasomatose) verursacht werden; Beispiele dafür sind die Dolomitisierung von Kalkstein oder die hydrothermale Verdrängung von Baryt durch Quarz. Durch Zufuhr metallhaltiger Lösungen können wirtschaftlich bedeutende Verdrängungslagerstätten gebildet werden (z.B. Skarnlagerstätten). Schwer zuzuordnen sind Verdrängungen im sedimentär-diagenetischen Bereich: Die Verkieselung von Holz oder die Pyritisierung von Ammoniten o.ä. können beispielweise i.w.S. als isochemisch betrachtet werden, da im Sediment bereits vorhandene Stoffe lediglich lokal umverteilt werden, jedoch kann bei vielen diagenetischen Verdrängungsreaktionen die Zusammensetzung der beteiligten Porenlösungen vor allem in durchlässigen Gesteinen stark durch Zuflüsse aus Nachbarformationen beeinflusst sein, wobei hier die Abgrenzung des betrachteten „Systems” aber ziemlich willkürlich ist.  
 

 

 

 
 
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