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Schmithüsen

 
     
  Josef, deutscher Vegetationsgeograph und Landschaftsökologe, * 30.1.1909 Aachen, † 2.4.1989 Formentera; Studium in Bonn, Professuren in Karlsruhe und Saarbrücken. Mit Vegetationsaufnahmen in intensiv genutzten Waldformationen im linksrheinischen Schiefergebirge und im Luxemburger Land erwachte sein Interesse an Fragen des von der menschlichen Bewirtschaftung bestimmten ökologischen Wirkungsgefüges. Daraus erfolgte eine allmähliche Erweiterung des Arbeitsgebietes zu den Themen Vegetationsforschung und ökologische Standortlehre, um die Entwicklung verschiedener Typen der Kulturlandschaft zu erklären. Damit verbunden war die Beschäftigung mit Methoden zur räumlichen Gliederung der untersuchten Gebiete. Nach dem 2. Weltkrieg beschäftigte sich Schmithüsen in Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Raumforschung und Landeskunde (Bad Godesberg) mit grundsätzlichen und methodischen Richtlinien zur Naturräumlichen Gliederung auf der Grundlage der topographischen Übersichtskarte 1 : 200.000. Bis 1962 wirkte er zusammen mit Emil Meyen als Herausgeber des Handbuches der Naturräumlichen Gliederung der Bundesrepublik Deutschland, welches auch heute noch eine wichtige Grundlage der Raumplanung darstellt. Nach frühen Arbeiten zu Vegetationsformationen in mediterranen Ländern begann Schmithüsen 1952 mit Forschungen in Chile, bereiste später auch andere Andenländer und dehnte seine Forschungen zu Darstellungen der vegetationsgeographischen Zusammenhänge des gesamten zirkumpazifischen Raumes und zu Vergleichen zwischen den südhemisphärischen Gebirgsländern aus. Mit seinem in mehreren Auflagen erschienenen Lehrbuch zur Allgemeinen Vegetationsgeographie (1957) differenzierte er die Konzeption der Vegetationsgeographie gegenüber der Verbreitungslehre der Geobotanik. Seine inhaltliche Vorstellung des Faches Vegetationsgeographie konnte er auch in der von ihm begründeten wissenschaftlichen Reihe »Biogeographica« und im Atlas zur Biogeographie (1976) aufzeigen. Die von Schmithüsen seit der Doktorarbeit verfolgten Ansätze zur Theorie und Entwicklung des Landschaftsbegriffes gipfelte 1976 in einer Monographie über die Allgemeine Geosynergetik. Darin stellt er den methodologischen Ansatz zur Gesamtbetrachtung eines Raumes vor. Die Ideen der Übernahme von Pflanzen als Zeiger des Landschaftshaushaltes führten weg von der reinen Lebewesen-Umweltbeziehung der klassischen Ökologie. Anorganischen Ökofaktoren wurde der gleiche Stellenwert eingeräumt wie den organischen. Gleichzeitig bemühte sich Schmithüsen um eine Vereinheitlichung der Fachterminologie und eine abschliessende Klärung des Landschaftsbegriffes. Aus aktueller Sicht, welche die Betrachtung von Landschaftsökosystemen als Lebensumwelt des Menschen als selbstverständlich ansieht, ist es wichtig, die Entwicklung dieser Ideen im Rahmen der bis in die 1970er Jahre geführten Diskussionen um gesellschaftliche Entwicklung, Umweltproblematik und die Rolle der Ökologie als wissenschaftliche Disziplin zu sehen. Werke (Auswahl): »Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands« (2 Bände, 1953-1962, zusammen mit E. Meynen), »Lehrbuch der Allgemeinen Vegetationsgeographie« (3. Auflage, 1957-1976), »Allgemeine Geosynergetik. Grundlagen der Landschaftskunde« (1976), »Der wissenschaftliche Landschaftsbegriff« (in: Pflanzensoziologie und Landschaftsökologie 1968).  
 

 

 

 
 
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